Künstleraktion mit kleinen Gipsfiguren in der Domstadt – Jeder kann mitmachen

Von Fritzlar in die Arktis

Geheimnisvolle Wege: Ragnhild Becker und Gunar Seitz haben in Fritzlar am Rolandsbrunnen einige ihrter Visitors ausgesetzt. JEder kann sie mitnehmen und irgendwo wieder aussetzen. Foto: Dewert

Schwalm-Eder. In Fritzlar sind Visitors zu Gast: 75 weiße Gipsfiguren und zwei blaue stehen in der Domstadt an allerlei prägnanten Orten. Das Künstlerpaar Ragnhild Becker und Gunar Seitz aus Friedrichshafen hat sie aufgestellt.

Die Visitors warten seit Montag darauf, mitgenommen und irgendwo auf der Welt wieder ausgesetzt zu werden. Visitors stehen am Nordkap, zwei fliegen in einem geostationären Orbit um die Erde, und in 85 Ländern gibt es sie auch schon. 16 000 Visitors haben die beiden in den vergangenen elf Jahren ausgesetzt.

Parallel zur documenta

Warum ausgerechnet jetzt in Fritzlar? „Zur documenta in Kassel haben wir 100 Figuren dort gelassen“, sagt Bildhauer Gunar Seitz. Das historisch interessierte Paar suchte sich mit Hann. Münden, Warburg und Fritzlar drei weitere Städte in der Umgebung aus, um ihren Visitors die Freiheit zu schenken.

Jeder Visitor hat eine Nummer, sein Weg ist über die Internetseite der Aktion nachzuverfolgen. Hartmut Spogat, Fritzlar Bürgermeister, hat einen und für die sieben Magistratsmitglieder auch gleich welche mitgenommen. Zehn weitere stehen in der Touristinformation der Stadt am Rathaus.

„Wir sind gespannt, wo die Fritzlarer Visitors landen“, sagt Ragnhild Becker. Die Gipsfiguren könnten bemalt werden oder anderweitig umgestaltet. Manche stehen auch jahrelang in Vitrinen und Wohnzimmerschränken. „Das ist aber nicht unser Ziel, wir wollen erlebbare und lebendige Kunst, die in Bewegung ist“, sagt Seitz. So wollen die beiden Hemmungen im Umgang mit Kunst abbauen.

Die Visitors im All dürften schwer zu übertreffen sein. Der erste war 2007 mit einer Legierung aus Gold an Bord eines Satelliten des Europäischen Raumfahrtunternehmen EADS Astrium ins All geschossen worden. 2010 folgte die 3D-Animation eines zweiten Visitors auf einem Datenchip. Ein Visitor liegt in 3000 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund. Er startete mit einem GPS-Sender auf einer Eisscholle und ging unter.

Von Damai D. Dewert

Quelle: HNA

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