Fritzlar: Ausstellung im Grauen Turm ist komplett

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Der Graue Turm: Wissenswertes über Fritzlar auf vier Etagen.

Fritzlar. Geschafft: 15 Jahre hat es gedauert, jetzt sind alle vier Etagen des Grauen Turms in Fritzlar komplett.

„Es gibt dort Interessantes zur Fritzlarer Stadtgeschichte zu sehen“, sagt Dr. Ulrich Skubella, Vorsitzender des Vereins Pro Fritzlar. Der hat gemeinsam mit dem Kulturverein in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass der Turm die Gäste nicht nur wegen der schönen Aussicht hoch hinauf lockt.

„Wir vermitteln Wissen über die Stadt, ohne musealen Anspruch“, sagt Skubella. Die Vereine seien stolz auf das Ergebnis und den vielen Sponsoren dankbar. Clemens und Dagmar Lohmann vom Geschichtsverein sowie Ulrich Skubella bieten am Samstag zum ersten Mal gemeinsam eine Führung durch die vier Etagen des Grauen Turms - mit 38 Meter Höhe, der größte noch erhaltene Wehrturm Deutschlands - an.

Die erste Etage 

Die gemeinen Weiber: Gezeichnet von Karikaturist Luff. Foto:  privat/nh

Ein Mann am Pranger und eine Frau am Schandpfahl, das sind die zentralen Figuren der Folter-Etage. Unter anderem gibt es dort auch ein Drillhaus zu sehen. „Darin wurden die Leute zur Strafe so lange gedreht, bis ihnen das Essen aus dem Gesicht viel“, sagt Skubella. „Furchtbarste Foltermethoden gab es“, erklärt er dann. Außerdem erfährt man auf dieser Etage etwas über die Hexen und Hexer, die in Fritzlar noch im 17. Jahrhundert verfolgt wurden. Clemens Lohmann hat deren Namen zusammengetragen. Der Kulturverein war Initiator der Folter-Etage. Lohmann war beratend tätig.

Die zweite Etage 

Im Verein Pro Fritzlar wurde die Gerstenberg-Etage konzipiert. Zugrunde liegt die Chronik des Wigand Gerstenberg, der die Zerstörung der Stadt im Jahre 1232 schildert. Drastisch, gewalttätig und emotional war das, was 1232 vor und in den Mauern der Dom- und Kaiserstadt geschah. Entsprechend deutlich setzte der Karikaturist Rolf Henn, der auch unter seinem Künstlernamen Luff bekannt ist, die Szenen zeichnerisch um. Ob die Schlägerei mit dem Abt des Klosters, das kein Geld an den Mainzer Erzbischof zahlen wollte, oder die Fritzlarer Frauen, die dem abgeschlagenen Heer von den Zinnen ihrer Stadt den blanken Allerwertesten vorhielten - was die Stadtführer sonst nur mit Worten schildern konnten, zeigen die neun Darstellungen seit 2012.

Die dritte Etage 

Ein Kunstwerk aus Holz ist in der dritten Etage seit 2014 zu sehen. Bei dem Stadtmodell geht es in erster Linie nicht um die Stadt, sondern um das Verteidigungssystem, das im 13. Jahrhundert aufgebaut wurde. Es bestand aus sieben Türmen (Warten), von denen fünf noch existieren. Zentral für das Frühwarnsystem war der mächtige Graue Turm, der im Jahr 1274 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die Warten waren so um die Stadt verteilt, dass anrückende Feinde früh entdeckt werden konnten. Dieses System kann man am Modell, das von Holz-Künstler Johann Steffen gefertigt wurde, nachvollziehen.

Die vierte Etage

„Mit der obersten Etage, also mit dem Bonifatius, hat eigentlich alles begonnen“, erinnert sich Skubella. Der Kulturverein hatte 1999, im Jahr des Fritzlarer Stadtjubiläums, eine Bronzeplastik des Stuttgarter Bildhauers Ubbo Enninga geschenkt und auf dem Domplatz aufstellen lassen. Das Gipsmodell kam 2000 auf die oberste Etage des Grauen Turms. „Das war ein Kraftakt, weil die Figur zersägt, über die engen Treppen wieder auf den Turm geschleppt und dort oben wieder aufgebaut werden musste. Das war fast olympiareif“, sagt Skubella.

• Termin: Sonderführung, Grauer Turm, Samstag, 1. August, 17 Uhr. Eintritt drei Euro. Anmeldung nicht nötig.

Quelle: HNA

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