Fritzlar: Aus dem Dom-Grill wird ein Thailand-Imbiss

+
Nach 36 Jahren Abschied vom Dom-Grill: Brigitte und Jürgen Wittke werden bald nicht mehr hinter dem Tresen stehen.

Fritzlar. Jürgen Wittke ist – das betont er gerne – ein kommunikativer Mensch. Wer ihn trifft, würde das nie bezweifeln, denn der 65-Jährige redet wie ein Buch. 36 Jahre lang hat Wittke gemeinsam mit seiner Ehefrau Brigitte den Dom-Grill in Fritzlar geführt.

Nun endet eine Ära: Am 30. Dezember ist der Imbiss in der Fritzlarer Altstadt zum letzten Mal geöffnet, im neuen Jahr übernimmt ein neuer Betreiber und wird dort thailändisches Essen anbieten.

Langweilig war es nie, sagt Wittke über die dreieinhalb Jahrzehnte Imbissgeschäft. Vom Schiff nach Fritzlar Zuvor war er unter anderem in der Kaufhausgastronomie und auf einem Schiff tätig, doch Wittke wollte sein eigener Chef sein, denn Autoritäten erkenne er nur ungern an. Auf der Suche nach einem Standort landete das Ehepaar in Fritzlar und hat es bis heute nicht bereut.

„So eine lebenswerte Stadt habe ich noch nie gesehen“, sagt der Chef. Natürlich seien die großen Imbissketten eine Konkurrenz, aber für ihn zähle nicht Wachstum um jeden Preis, sondern Menschlichkeit. So gab es im Dom-Grill all die Jahre nicht nur Pommes, Hähnchen und Salat, sondern immer auch einen lockeren Spruch oder einen Witz. Und wenn ihm jemand dumm kam, dann antwortete Wittke mit Zynismus. Er habe auch schon mal Gäste gebeten, ihr Essen doch lieber woanders zu kaufen – das sei aber die Ausnahme gewesen.

Die meisten seien gerne wiedergekommen: „Wir haben eine richtige Fangemeinde.“ Der Medizinprofessor, der Wittkes unterhaltsame Art als therapeutisch beschrieb, der Soldat, der die Wirtschafts-Voraussagen des Imbisschefs lobte – Wittke kann viele solche Geschichten erzählen. Eine deutliche Meinung Und er hat auch eine Meinung, mit der er nicht hinter dem Berg hält. Das Ende des Systems sei nahe, sagt er über das Streben nach ewigem Wachstum. Man müsse nachfragen, nicht alles hinnehmen, gegen den Strom schwimmen.

Der Wirt vom Dom-Grill diskutiert gerne mit seinen Gästen. Er liest gerne, philosophiert gerne und schreibt auch selbst. Dafür wird Jürgen Wittke jetzt mehr Zeit haben, wobei er für den Ruhestand nicht viel plant. Er wolle spontan bleiben, vielleicht gemeinsam mit seiner Frau („Wir sind eine Einheit“) Freunde besuchen. Der Imbiss wird ihm fehlen, Wittke sagt: „Ich gehe wehmütig.“

Quelle: HNA

Kommentare