Mit Emotionen punkten

Fritzlarer Unternehmensberater analysierte für die HNA die Plakatwerbung

Harald Kneier

Schwalm-Eder. Sie sind Klassiker im Wahlkampf, aber ihre Bedeutung wird weithin überschätzt: Gerade einmal 1,5 Sekunden – nicht viel mehr als ein Wimpernschlag – sind Wahlplakate für den Betrachter sichtbar, dann gilt die Aufmerksamkeit schon wieder anderen Dingen.

„Es geht hauptsächlich darum, die eigenen Stammwähler zu mobilisieren“, sagt Harald Kneier, der seit 2004 in der Fritzlarer Garvensburg eine Unternehmensberatung betreibt. Die Werbekampagnen der Parteien seien überwiegend sehr traditionell und eher langweilig, findet der 57-Jährige. Eine viel größere Rolle spielten heute die Neuen Medien wie Facebook und Twitter.

In der Plakatwerbung gehe es darum, die Wähler immer wieder mit Gesichtern zu konfrontieren, sie sympathisch wirken zu lassen und Emotionen zu erzeugen. Kneier: „Man schaut immer erst auf die Augen und erst dann auf den Slogan.“

Mit diesem Rezept versuchen auch im Schwalm-Eder-Kreis fast alle Direktkandidaten zu punkten. Lediglich die Linke weicht davon ab, „wahrscheinlich, weil es an bekannten Persönlichkeiten fehlt“, vermutet Kneier.

Handwerklich seien die Plakate der Linken dennoch gut gemacht. Sie polarisierten mit kurzen Parolen, beispielsweise zur Bankenkrise. Das sei der Stil, mit dem auch die Bild-Zeitung Erfolg habe. Ähnlich provozierend seien auch die Piraten. Sie versuchten, eine neue Streitkultur zu etablieren und jene anzusprechen, die sonst nicht zu Wahl gehen würden.

Die CDU setze bei ihrer Kampagne hingegen auf Stabilität und Sicherheit. Die Botschaft laute: „Uns geht es gut, wir machen so weiter“. Diese Aussage werde von der CDU immer wieder und auf allen Ebenen aufgegriffen. Kneier: Das Image von Angela Merkel als Mutti der Nation werde geschickt eingesetzt. Und Volker Bouffier, der als Hardliner gelte, werde mit seiner Ehefrau und somit als Familienmensch präsentiert.

Die SPD wirbt für ihre Kandidaten Dr. Edgar Franke, Günter Rudolph und Regine Müller fast ausschließlich mit den Porträts der Bewerber. Kneier: „Das kann man so machen. Es geht dabei vor allem um eins: Verstärken, verstärken, verstärken!“

Handwerklich gut findet der Fritzlarer auch die Plakate mit Thorsten Schäfer-Gümbel, der meist als Zuhörer in einem Gruppengespräch gezeigt wird. Der SPD-Spitzenkandidat wirke auf den Plakaten wie ein ernsthafter Zuhörer, der die Probleme der Menschen aufnehme. Sehr traditionell wirke die Plakatwerbung von FDP und Freien Wählern mit Fotos der Kandidaten Dennis Majewski und Engin Eroglu, meint Kneier. Ziel sei es, die Kandidaten bekannter zu machen.

Die Grünen sind mit ihren potenziellen Wählern per Du. So sollten vor allem die eigenen Leute angesprochen werden, nach dem Motto: „Ich bin nahe bei deinen Problemen.“

Austauschbare Slogans

Generell gilt nach Einschätzung von Harald Kneier, dass die Slogans austauschbar geworden sind. „Eine Differenzierung ist so schwierig, dass man die Parteien kaum noch unterscheiden kann“, sagt er.

Und wie sind die Wähler dann überhaupt noch zu erreichen? „Die Parteien müssen wieder mehr an die Basis gehen und die Menschen authentisch da abholen, wo sie ihre Probleme haben“, sagt der Werbefachmann.

Von Heinz Rohde

Quelle: HNA

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