Schwester Maria Magdalena ist 86 Jahre alt und sagt: „Ich bin museumsreif.“

Schwester Maria Magdalena: Fritzlars letzte Ursuline

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Das Gebäude zeugt noch davon, wie viele Schwestern hier einst untergebracht waren: Das Ursulinenkloster in Fritzlar.

Fritzlar. Früher müssen über die alten Holzbohlen dieses Flures häufiger Schritte geklungen sein. Heute lebt im Herzstück des Ursulinenklosters – der Klausur – nur noch eine Nonne: Schwester Maria Magdalena.

Den Ordensnamen hat sie sich damals selbst gewünscht, erzählt sie. Maria Magdalena war eine der beiden Frauen, der nach biblischer Überlieferung der auferstandene Jesus als erster erschienen ist. „Sie hatte eine große Liebe zum Heiland“, begründet die Schwester ihre Namenswahl.

Messe im Fernsehen

Schwester Maria Magdalena sitzt in einem gemütlichen Stuhl am Tisch, vor ihr liegt die aktuelle HNA, daneben steht ein Glas Tee, in einer Ecke läuft auf dem Bildschirm eine heilige Messe, übertragen von K-TV, einem katholischen Fernsehsender.

Gut gelaunt: Schwester Maria Magdalena lebt als einzige Ursuline noch im Kloster in Fritzlar.

Der uralte Ofen, die Tapeten, die dunklen Holzbohlen, die Stücke aus dem Schwesterkloster in Lima, die Fotos und religiösen Bilder an den Wänden zeugen von längst vergangenen Zeiten.

„Ich bin museumsreif“, behauptet die 86-jährige Nonne und lacht. Tatsächlich ist sie aber ziemlich genau auf dem Laufenden, was in der Welt und in ihrer Nachbarschaft passiert.

Sie hat eine Meinung zum Streit um den Bundespräsidenten („Die sollen ihn endlich in Ruhe lassen.“) und weiß, was in der Ursulinenschule passiert, die früher vom Orden betrieben wurde und heute dem Bistum Fulda angehört. Sie kennt die Pläne für die große Romreise im kommenden Jahr, wenn es die Schule seit 300 Jahren gibt und tauscht sich regelmäßig mit Schulleiterin Jutta Ramisch aus.

Früher hat sie selbst unterrichtet, das hat bei den Ursulinen Tradition, denn sie gelten als Erziehungsorden. Die Erziehung der Jugend, das sei für sie Lebensinhalt gewesen, sagt Maria Magdalena.

Um die Zukunft der katholischen Schule macht sie sich keine Sorgen. Die Menschen suchten sehr nach religiöser Erziehung. Eltern, sagt sie, würden heute viel zu häufig vor ihren Kindern kapitulieren: „Sie müssen ihren Kindern wieder beibringen, was man darf und was nicht.“

Lebenslange Bindung

Würde eine Schülerin sie fragen, ob sie selbst einem Orden beitreten soll, wäre Maria Magdalenas Antwort klar: „Es ist schön, im Kloster zu leben.“ Allerdings müsse sie sich überlegen, welchem Orden sie beitreten wolle, denn vielerorts gebe es Nachwuchsprobleme: „Die jungen Leute können sich nicht mehr binden.“

Maria Magdalena hat sich gebunden, lebenslang an ihren Gott und an ihren Orden. Wer der fröhlichen Frau begegnet, kommt nicht auf den Gedanken, dass sie das bereuen würde.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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