Fritzlars Stadtpfarrer Jörg Stefan Schütz hat alle Hände voll zu tun

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Viele Aufgaben und nur wenig Zeit: Stadtpfarrer Jörg Stefan Schütz

Fritzlar. Er kam in einer schwierigen Zeit und hat bis heute zu kämpfen: Jörg Stefan Schütz, Stadtpfarrer in Fritzlar, und seit einiger Zeit auch Dechant für das Dekanat, das praktisch den gesamten Schwalm-Eder-Kreis umfasst.

Nach dem Skandal um den Missbrauch durch einen Priester hatte der Orden der Prämonstratenser Fritzlar verlassen. Schütz wurde zum Nachfolger berufen und muss nun gemeinsam mit Gemeindereferentin Pia Mamani die Arbeit von fünf Ordensleuten leisten. „Ich würde gerne sehr viel mehr machen“, sagt der 45-Jährige in einer ersten Bilanz seiner Arbeit in der Domstadt.

 Doch die knappe Zeit lasse einfach nicht mehr zu. Ursprünglich sollte ein ungarischer Priester Schütz unterstützen, doch daraus wurde nichts. Nun hofft der Stadtpfarrer auf den August, dann soll Kaplan Jürgen Kämpf (Flieden) nach Fritzlar kommen. „Ich hoffe, dass er eine gute Hilfe und Stütze ist“, sagt Schütz. In der Rhön, wo er zuvor Pfarrer war, habe es nie zwei Beerdigungen an einem Tag gegeben.

In Fritzlar sei das schon mehrfach vorgekommen. So bleibt vieles liegen, das Schütz gerne machen würde. Mehr Jugendarbeit, mehr Krankenhausseelsorge und, und, und. Die Bürokratie, die er leisten muss – zumal als neuer Dechant – liegt dem 45-Jährigen gar nicht am Herzen. Die Seelsorge, der Kontakt zu Menschen, das sieht er als seine Berufung.

Und diese Seelsorge ist besonders wichtig in einer Gemeinde, die nach dem Missbrauchsskandal eine Spaltung und viel Verunsicherung zu bewältigen hat. Da gab es Menschen, die nicht mehr gemeinsam in den Gottesdienst gingen und sich nicht mehr grüßen. Ein schwieriges Feld für einen Seelsorger. „Es gibt Fortschritte, aber es ist noch nicht gut“, sagt Schütz. Manche Menschen hätten noch nicht begriffen, „dass dort ein ganz schweres Leid geschehen ist“. Dieses Leid der Opfer sei in seiner Gänze von außen nicht nachzuvollziehen: „Ich kann nicht in die Seele eines Menschen blicken.“

Schütz versucht, einen Mittelweg zu finden. Einerseits soll nichts verschwiegen werden, andererseits sollen auch nicht unnötig Wunden aufgerissen werden. Gefreut hat sich der Pfarrer, als es kurz nach seinem Amtsantritt um ein gemeinsames Wochenende mit den Kommunionkindern ging.

Schütz überließ den Eltern die Entscheidung, ob die Fahrt stattfinden sollte. Alle seien für das Wochenende gewesen. Es war ein Vertrauensvorschuss in schwerer Zeit.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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