Froh über Familienbande

Steinmetzmeister Holger Ritter und seine Kinder haben in Hamburg Preise gewonnen

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Eingespieltes Team: In der Werkstatt arbeiten Steinmetzmeister Holger Ritter, Glasveredlerin Lisa Ritter und Steinmetzmeister Benjamin Ritter (von rechts) Hand in Hand.

Neukirchen. Sie sind ein eingespieltes Team, eine Familienbande wie sie im Buche steht: Holger (53), Benjamin (27) und Lisa (25) Ritter. Soweit nicht ungewöhnlich. Vater, Sohn und Tochter. Doch die Drei sehen sich nicht nur am Mittagstisch, zum Feierabendbier oder zu Geburtstagen.

Sie arbeiten an sechs Tagen in der Woche zusammen in einer Werkstatt – im Steinmetzbetrieb von Holger Ritter in Neukirchen.

Der 53-Jährige leitet den Betrieb in dritter Generation. Eine bewusste Entscheidung? „Ich habe mich einfach um nichts anderes gekümmert“, erzählt er. Lisa meint, das könne man doch so nicht sagen. Benjamin sieht es pragmatischer: „Das war eben früher so.“ Einiges, was Holger Ritters Vater früher wichtig war, hat bis heute Bestand: Etwa, dass die komplette Familie Samstagmittag zum Essen an einem Tisch sitzt. „Ich kenne das gar nicht anders“, sagt Lisa Ritter. „Damit läuten wir das Wochenende ein“, erklärt ihr Bruder.

Steinmetzmeister Holger Ritter hat selbst bis 1995 zusammen mit dem Vater im Betrieb gearbeitet. Dass sich auch Benjamin für den Beruf entschieden hat, freut ihn: „Aber wir haben unseren Kindern die Entscheidung überlassen“, sagt er. „Hätte er mich gedrängt, hätte ich sicher schon aus Prinzip eine andere Richtung eingeschlagen“, meint Benjamin.

Auch Lisa – beide Kinder sind im Haus unmittelbar neben der Werkstatt aufgewachsen – hat sich nach dem Abitur für einen handwerklichen Beruf entschieden: Glasveredlerin. Aktuell bildet sie sich an der Werkakademie zur Gestalterin im Handwerk weiter.

Mutter und Oma im Büro

Auf die Familie ist auch im Betrieb Verlass: Im Büro arbeitet noch Mutter Christine mit. Und Omas Buchführung ist unerreicht. Holger Ritters Schwager ist als Geselle tätig. Die Arbeitseinteilung macht der Chef: „Aber im Optimalfall betreut jeder seine Kunden – von der Beratung bis zur Fertigung“, sagt Benjamin. Gemeinsam kreativ sein – das schätzen die Drei besonders. „In der Entwurfsphase ist es hilfreich, Ideen oder auch Kritik der anderen zu hören“, erklärt der 27-Jährige.

Alle Drei nehmen regelmäßig an Wettbewerben teil (siehe Hintergrund). „Ich glaube, dass wir bessere Ergebnisse erzielen, eben weil wir eine Familie sind“, sind sich Ritters einig. Kürzlich wurden Werke aus Neukirchen auf der Internationalen Gartenschau in Hamburg prämiert. Das enge Band sei häufig vorteilhaft: „Man merkt früher, was der andere für eine Laune hat. Und kann ihm aus dem Weg gehen“, beschreibt Lisa Ritter. Für Holger Ritter liegen die Vorteile des Familienbetriebes auf der Hand: Er könne beruhigt in Urlaub fahren und den Arbeiten in andere, verlässliche Hände legen.

Es sei selbstverständlich, die Kinder in alle Betriebsentscheidungen einzubeziehen. Abgewöhnen müsse er sich, dass er manches seinen Kindern zu genau erklären wolle, sagt der 53-Jährige. Benjamin und Lisa sind sich einig: „Papa kann nicht gut erklären.“ Muss er aber auch gar nicht mehr: Denn im Betrieb weiß eh jeder, was zu tun ist.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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