Drei Männer erzählen, wie sich die Arbeitssicherheit in ihren Berufen entwickelt hat

Früher war alles anders

Vorsicht mit den Fingern: Facharbeiter Walter Breuer (rechts) und Jahrespraktikant Lukas Jäckel biegen an einer Maschine Bleche. Sie ist mit Lichtschranken gesichert. Kommen die beiden dem Gerät zu nah, schaltet es sich automatisch ab. Fotos: Auel

Schwalm. In der Metallbauwerkstatt von Roland Köllner in Neukirchen wimmelt es von roten Knöpfen. Stanzen, Sägen, die Steuerung für den Lastenkran – jedes Gerät hat einen roten Not-Aus-Schalter. „Das war früher nicht so“, erinnert sich der Firmenchef.

Die Entwicklung des Arbeitsschutzes macht er an einer Abkantmaschine, mit der Bleche gebogen werden, deutlich. Köllner hat eine ältere und eine neuere Falzmaschine in seiner Werkstatt.

Lichtschranken für Sicherheit

Wo früher Schutzbleche die Finger vor Quetschungen bewahren sollten, sind heute Lichtschranken angebracht. „Greift der Arbeiter in die Maschine, stellt sie sich sofort ab“, sagt er. Generell hätten computergesteuerte Maschinen die Sicherheit am Arbeitsplatz erhöht.

„Die Menschen kommen oft nicht mehr dort hin, wo es gefährlich wird“, sagt Köllner. Viele Arbeiten in seiner Werkstatt werden von Robotern hinter stabilen Plexiglaswänden verrichtet.

Maschinen im Wald

Maschinen haben auch die Arbeit von Jens Lau vereinfacht. Er ist Forstwirtschaftsmeister und Sicherheitsbeauftragter im Forstamt Jesberg.

„Wälder von Windbruch zu befreien kann ziemlich gefährlich sein“, sagt er. „Es lauern viele Stolperfallen. Außerdem ist ein solch wirrer Holzhaufen unberechenbar.“ Bei solchen Einsätzen kommen heute die großen Holzmaschinen, Harvester genannt, zum Einsatz.

Maschinen helfen nicht immer, Risiken zu umgehen. Wer im Wald arbeiten will, muss fit sein. Deswegen steht für die Arbeiter bei Hessenforst zweimal pro Woche ein Sportprogramm auf dem Plan. Mit Slaglining, einer Art Seiltanz, trainieren sie ihr Koordinationsvermögen.

Ein guter Gleichgewichtssinn ist in der Branche von Horst Wagner überlebenswichtig. Er ist Dachdecker von Beruf. Tendenziell gäbe es bei Dachdeckern wenig Unfälle. „Nur wenn etwas passiert, dann ist es sehr schlimm“, sagt der Seigertshäuser.

Zu seiner Lehrzeit sei man ohne Sicherung auf Dächern unterwegs gewesen. Heute ist ab einer Höhe von drei Metern ein Gerüst mit Auffangnetz Pflicht. „Wenn der Bauherr das Aufstellen eines solchen Gerüsts verweigert und es passiert etwas, ist er mit haftbar.“

Die nächste Gefahrenquelle: Asbest. Als der Stoff verbaut wurde, hantierte Wagner damals damit wie mit einem normalen Stück Holz.

Heute gilt Asbest als gefährlicher Sondermüll. Das Material mit seinen kleinen Fasern zerstöre die Lunge, wenn man es einatmet. Wenn Wagners Leute Asbest aus alten Häusern entfernen, tragen sie Mundschutz und einen Schutzanzug. „Auf jeder Asbest-Baustelle gibt es einen speziell ausgebildeten Mitarbeiter, der sich nicht mal in der Pause von der Baustelle entfernen darf. Er achtet darauf, dass kein giftiger Asbest-Staub entsteht“, erklärte Wagner.

Von Juri Auel

Quelle: HNA

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