Nicht jeder Prostata-Krebs muss sofort behandelt werden – Risiken sollten abgeschätzt werden

Früher wurde häufiger operiert

In der Homberger Praxis: Urologe Frank Ambrosch mit Modellen der Prostata (gelb) und einer Blase im Querschnitt. Foto: Mangold

Homberg. Prostata-Krebs ist nach Lungenkrebs und Darmkrebs die häufigste Krebsart bei Männern und steht an dritter Stelle der krebsbedingten Todesfälle. Etwa 58 000 Männer erkranken jedes Jahr an Prostata-Krebs, aber immer weniger leiden unter einer aggressiven Krebsart.

„Die Anzahl der Niedrigrisiko-Karzinome steigt an“, erklärte Frank Ambrosch, Urologe aus Homberg. Die Erkrankung wird in Risikostufen eingeteilt, je nach Art des Tumors, Wachstumsgeschwindigkeit und Neigung zur Metastasierung.

In den vergangenen Jahrzehnten sind die Fallzahlen der aggressiven Prostatakrebs-Erkrankungen deutlich zurückgegangen, in gleichem Maße haben die wenig aggressiven Krebsformen zugenommen.

Symptome bei zehn Prozent

Etwa 40 Prozent aller Männer der westlichen Industrieländer tragen das Risiko, an einem Prostata-Krebs zu erkranken, aber nur zehn Prozent der Erkrankten entwickeln überhaupt Symptome und drei Prozent sterben daran.

Vor dem 40. Lebensjahr erkranke kaum jemand an Prostata-Krebs, bei den über 70 Jahre alten Männern sei schätzungsweise jeder zweite betroffen, bei den meisten würde der Krebs nie diagnostiziert und verursache keine bemerkbaren Symptome, erklärte der Facharzt. Doch für viele Patienten bedeute die Diagnose eine schlimme Erkrankung, die eine sofortige Behandlung erfordere. Aber nicht jeder Krebs müsse behandelt werden. „Die Diagnose Prostatakrebs bedeutet keine medizinische Notfall-Indikation“, sagte Ambrosch. Nur rund 16 Prozent der Prostatakrebsarten sei aggressiv wachsend, und jeder Patient habe genug Zeit sich zu entscheiden, welche Behandlungsmethode für ihn die beste sei.

2009 seien die Leitlinien für die Behandlung verändert worden, demnach sollte nach sorgfältiger Diagnose und Klassifizierung der Krebsart, des Alters des Patienten und seines Gesundheitszustandes entschieden werden, ob überhaupt behandelt werden müsse oder ob nicht eine aktive Überwachung mit engmaschigen Kontrollen ausreiche, um die Krankheit zunächst im Griff zu behalten und die Lebensqualität des Patienten zu erhalten. Mit einer Behandlung würde erst begonnen, wenn sich der Tumor verschlechtere. Momentan machten aber nur sehr wenige Patienten mit einem Niedrig-Risiko-Karzinom von der Methode der aktiven Überwachung Gebrauch.

Regelmäßige Untersuchung

Etwa 70 Prozent ließen sich operieren, 15 Prozent bestrahlen und nur 15 Prozent verzichteten auf eine Behandlung und ließen sich regelmäßig untersuchen. „Das ist zu wenig, das könnte genau umgekehrt sein“, meinte der Urologe. Durch Untersuchung des PSA-Wertes im Blut, der entzündliche und andere Veränderungen der Prostata anzeigt, und der Tastuntersuchung alle drei bis sechs Monate in Kombination mit Untersuchungen von Gewebeproben alle 12 bis 18 Monate könnten die meisten Patienten rund zehn Jahre gewinnen, bevor eine Behandlung nötig werde.

Operation und Bestrahlung beinhalten das hohe Risiko von Nebenwirkungen wie Impotenz und Inkontinenz, Chemo- und Hormontherapien sind ebenfalls belastend für die Betroffenen.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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