Silvia Gottschlich-Algesheimer ist Schöffin am Amtsgericht – Freiwillige fehlen

Für fünf Jahre Richter sein

Mit Interesse an juristischen Fragen: Silvia Gottschlich-Algesheimer ist seit 25 Jahren als Schöffin am Amtsgericht Schwalmstadt tätig. Foto: Vorrath

Schwalmstadt. „Wenn es um Kinder geht, zerreißt es einem das Herz“, sagte Silvia Gottschlich-Algesheimer über ihre Arbeit als Schöffin. Die 50-Jährige ist seit 25 Jahren am Amtsgericht Schwalmstadt als Laienrichterin tätig. Bei ihren Verhandlungen sind Fälle mit Kindesmissbrauch die Ausnahme.

Häufig sind Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. Der Frau aus Ascherode macht das Ehrenamt Spaß, juristische Fragen findet sie interessant.

Schöffen sind an Prozessen beteiligt, bei denen den Angeklagten bis zu vier Jahre Freiheitsstrafe drohen. „Interesse muss man schon mitbringen“, sagte sie. Es gibt eine kleine Aufwandsentschädigung. „Die Arbeitsbelastung ist aber überschaubar“, versicherte die Heilpädagogin. Sechs bis acht Verhandlungstermine im Jahr müsse man sich freihalten, sonst drohe ein Geldstrafe. Urlaub muss man keinen nehmen: „Man wird freigestellt.“ Fünf Jahre ist eine Amtsperiode lang.

Ihre längste Verhandlung ging über sieben Stunden. „Normal sind allerdings drei.“ Morgens geht es in der Regel um 9 Uhr los. Vor der Verhandlung treffen sich zwei Schöffen mit dem Richter in dessen Zimmer, beschrieb die Laienrichterin den Tagesablauf. Nach einer Erläuterung des Verhandlungsprogramms geht es in den Gerichtssaal. Schöffen dürfen Zeugen und Angeklagte befragen. Wenn alle gehört sind, zieht sich das Trio in das Richterzimmer zurück.

„Wir beraten über das Strafmaß.“ Dabei ist der Richter der Einzige mit juristischem Fachwissen. „Wir Schöffen achten vor allem auf das Verhalten des Angeklagten und dessen Glaubwürdigkeit.“ Es gelte immer der Grundsatz: Im Zweifel für den Angeklagten. Auch wenn es selten vorkomme, könnten die Schöffen den Richter überstimmen.

Als Silvia Gottschlich-Algesheimer der SPD angehörte, schlugen Parteimitglieder sie für das Amt vor. Nach dieser Amtsperiode wird sie aus persönlichen Gründen nicht mehr als Schöffin zur Verfügung stehen. Sie kann die Arbeit als Laienrichter empfehlen: „Es ist eine wichtige, abwechslungsreiche Tätigkeit, für die zur Zeit Freiwillige fehlen.“

Interessenten melden sich bis zum 17. Mai bei ihrer Gemeinde.

Von Jonathan Vorrath

Quelle: HNA

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