Fünf Millionen Euro für Sanierung des Thermalbades erforderlich

Bad Emstal. Das Thermalbad in Bad Emstal ist in die Jahre gekommen, der Sanierungsstau enorm. Etwa fünf Millionen Euro müssen für eine Erneuerung eingeplant werden. Zu diesem Ergebnis sind drei Planungsbüros unabhängig voneinander gekommen. Das sagte jetzt Bürgermeister Ralf Pfeiffer.

Derzeit befinde man sich in der Phase, eine Finanzierung des Mammutprojektes auf die Beine zu stellen. Dabei macht Pfeiffer deutlich: „Wenn wir die Sanierung wollen, dann geht es nur über eine Fremdfinanzierung.“ Förderprogramme sollen angezapft, Gespräche mit dem Land geführt werden. Allerdings, so Pfeiffer, warte die Gemeinde nun erstmal ab, wie die künftige Landesregierung aussehen wird. „Bislang hat sich Hessen als Bäderland präsentiert“, stellt der Bürgermeister mit dem Hinweis darauf fest, dass das Land sich gerne mit den touristischen Attraktionen schmückt.

 Schön wäre es aber auch, wenn es sich die Werbung mit der von den Kommunen vorgehaltenen Infrastruktur auch etwas kosten ließe. Alle Bädergemeinden haben finanzielle Schwierigkeiten; ein neues Sonderprogramm Bäder wäre aus Pfeiffers Sicht gut angelegtes Geld.

Eine Sanierung des Thermalbades, bei der die Gemeinde Kredite aufnehmen und zurückzahlen müsste, könne das hoch verschuldete Bad Emstal nicht stemmen. Zuversichtlich ist Pfeiffer, was den wirtschaftlichen Betrieb einer modernisierten Einrichtung angeht. Er glaubt, eine schwarze Null ansteuern zu können.

Aktuell liegt das jährliche Defizit der Therme bei einer halben Million Euro. Eine Erneuerung der Technik würde bei den Energiekosten zu Einsparungen von 100.000 Euro führen. Eine Erhöhung des Eintrittspreises zum Beispiel um drei Euro führe bei den jährlich 100.000 Besuchern um zusätzliche Einnahmen von 300.000 Euro. Der Rathauschef geht zudem davon aus, dass mit der Modernisierung das Bad an Attraktivität zulegen und mehr Gäste anlocken wird.

Auf der Liste der Investitionen steht die Sanierung des Betons, der die Becken umgibt. Über die Fugen ist chlorhaltiges Wasser in das Material eingedrungen. Die Chloramide bilden Brücken für Sauerstoff, der die Gefahr von Korrosion an den Stahlträgern erhöht (siehe Hintergrund). Hierfür würde knapp eine Million Euro fällig. Die gleiche Summe sei für die Erneuerung der veralteten Technik erforderlich. Zudem müssten die Becken modernisiert, die Wasserkreisläufe voneinander getrennt werden. Auch der Gastraum könne eine Attraktivitätssteigerung vertragen.

Hintergrund

Seit einigen Jahren sorgen Eisenträger als kostengünstige Variante für zusätzliche Standsicherheit im Thermalbad. Ein Gutachter der Uni Kassel hatte vor zwei Jahren festgestellt, dass Chloramide im Beton den Sauerstofftransport fördern und die Korrosion begünstigen. Seither überprüft alle sechs bis acht Wochen ein Statiker die Betonteile, auf denen Teile der Therme lasten. Dabei gehe es nicht um das mit 400 Tonnen Wasser befüllte Becken, sagt Betriebsleiterin Martina Gillich. Sollte der Beton seine tragenden Eigenschaften verlieren, wären diedas Bassin umgebenden Bereiche betroffen.

Doch Gillich gibt Entwarnung: Die Chloramide sind nicht tiefer in den Beton eingedrungen, der Statiker hat keine Mängel an der Standfestigkeit feststellen können. Bildlich gesprochen seien die Eisenständer die Hosenträger für eine Hose, die bereits mit einem Gürtel daran gehindert wird, nach unten zu rutschen.

Bad- und Tourismusexpertinnen zur Situation:

Die Kritik an der Therme reißt nicht ab. Bei Betriebsleiterin Martina Gillich und Heike Dietrichkeit, in Bad Emstal zuständig für Tourismus und Marketing, hält sich das Verständnis dafür in Grenzen. Das Mineral-Thermalbad habe ganz gewiss Potenzial. Fast 90 Prozent der 100.000 Jahresgäste seien Stammkunden; sie kämen wegen der heilenden Wirkung des Wassers.

„Wir können mit unserem Heilwasser punkten“, sagt Gillich, die auf das Alleinstellungsmerkmal vertraut. In Nordhessen, Südniedersachsen und Nordrhein-Westfalen gebe es weit und breit kein Bad, dessen Wasser eine vergleichbare Güte habe.

Fotos vom Thermalbad

Blick ins Thermalbad in Bad Emstal

„Mag sein, dass die flankierende Infrastruktur im Gesundheitsbereich noch nicht attraktiv genug ist“, sagt Marketingexpertin Dietrichkeit. Doch auch dort gebe es Bewegung. Mit der Arcadia Praxisklinik werde es schon bald eine Partnerin geben, für die das Heilwasser interessant ist. Bürgermeister Ralf Pfeiffer bestätigt Pläne, wonach das Ärzteteam die medizinische Abteilung des Bades übernehmen und investieren möchte. Derzeit werde an einem Vertrag gearbeitet.

Das an Mineralien reiche Wasser helfe bei rheumatischen Beschwerden und Erkrankungen des Bewegungsapparates, es entspanne die Muskulatur und lindere Schmerzen. Bei einer Temperatur von 34 Grad werde es über die Haut am besten aufgenommen. Innerlich angewendet werde es bei Galle-, Leber- und Harnwegserkrankungen eingesetzt.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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