Fünf Stolper-Steine der Achtung in Bischhausen

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Bei der Arbeit: Gunter Demnig bei der Stolperstein-Verlegung.

Bischhausen. Eine weite Reise haben Helmut und Lynne Schön auf sich genommen, um dabei zu sein, wenn in Bischhausen neue Stolpersteine verlegt werden. Sie kamen aus Connecticut in Amerika in den Neuentaler Ortsteil.

Insgesamt fünf Stolpersteine hat Gunter Demnig am Freitag in Bischhausen verlegt. Die ersten Steine, die in der Bischhäuserstraße 14 verlegt wurden, erinnerten an Helmut Schöns Großmutter Marianne (geboren 1866) und an seine Tante Klara (Jahrgang 1897), die beide bis zu ihrer Deportation nach Theresienstadt Anfang September 1942 in diesem Haus gelebt hatten. Marianne Schön wurde in Theresienstadt ermordet, das Schicksal von Klara Schön ist unbekannt. Helmuts Onkel Theodor Schön (geboren 1904) war bereits 1937 in die USA ausgewandert.

Mit einer Rede, die vielen der 60 Zuschauer unter die Haut ging, gedachte Helmut Schön seiner Familie. Der Mann aus Amerika hatte extra seinen Text von einem Deutschlehrer in den Staaten übersetzen lassen, so dass er auf Deutsch sprechen konnte.

Für ihn erinnern die Steine nicht nur an seine Vorfahren, sondern sie stellen ein Zeichen der Achtung dar, machte er deutlich. Umso wichtiger war es ihm, dass die Steine nun ihren bleibenden Platz im Dorf gefunden haben.

Helmut Schön mit den Steinen für seine Familienmitglieder. Foto: Thomas Schattner  

Die zweite Verlegestelle war in der Alsfelder Straße 1. Hier lebte Helmut Schön mit seiner Schwester Alice und seinen Eltern Salli und Goldina Schön bis 1939. In jenem Jahr wanderten die Eltern in die Vereinigten Staaten von Amerika aus.

Salli war ein Jahr zuvor nach der Reichspogromnacht am 8. November ins Konzentrationslager Buchenwald gebracht und inhaftiert worden. Freigelassen wurde er dann unter der Auflage, dass die Familie das Deutsche Reich verlässt, der Familienbesitz dem Land übereignet wird.

Seit 1992 verlegt Demnig Stolpersteine, Bischhausen ist nun Bestandteil des Kunstwerks, bestehend aus mittlerweile über 35 000 Stolpersteinen, die über Europa verteilt sind. Darüber und auch über seinen Werdegang als Künstler sprach Demnig anschließend im Gasthof Lingemann.

Quelle: HNA

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