Die Kommunen im Altkreis bringen Streuner unter – der Besitzer trägt die Rechnung

Fundtiere: Herrchen zahlt

Von den Kommunen abgegeben: Tierheimleiter Karsten Plücker kümmert sich in der Wau-Mau-Insel um Fundtiere aus dem Altkreis Kassel. Im Altkreis Wolfhagen dagegen gibt es keine zentrale Auffangstation. Archivfoto:  nh

Wolfhager Land. 14 Fundtiere haben die Kommunen im Wolfhager Land seit Januar 2010 in Auffangstationen gegeben. Das sind erheblich weniger als im Altkreis Kassel – dort waren es 37.

Fundtiere sind keine ausgesetzten Tiere: Sie haben irgendwo ein Herrchen, das auf sie wartet. Trotzdem: Die Kommunen müssen gefundene Tiere zunächst unterbringen – sie sind dazu gesetzlich verpflichtet.

Im Altkreis Kassel nimmt das Tierheim Wau-Mau-Insel die Fundtiere der Kommunen auf. Die Wau-Mau-Insel akzeptiert dabei zwei Zahlungsarten: „Einmal wird nach einem Pauschalvertrag abgerechnet. Solche Verträge haben wir mit der Stadt Kassel, Baunatal und Fuldatal“, sagt Tierheimleiter Karsten Plücker. Für diese Städte fallen jährlich Beträge zwischen 2000 und 2600 Euro an. Die restlichen Kommunen im Altkreis Kassel zahlen einen Einzelbeträge pro Fundtier.

Dezentrale Unterkunft

Eine zentrale Auffangstation wie die Wau-Mau-Insel gibt es im Altkreis Wolfhagen nicht: Die Kommunen bringen ihre Fundtiere individuell unter. Für Hunde gibt es im Wolfhager Land spezielle Unterkünfte: In der Hundepension Apollo in Liebenau bleiben Fundhunde aus Habichtswald, Bad Emstal, Zierenberg und Naumburg – im vergangenen Jahr waren das zwölf Tiere. In Breuna gab es von Anfang 2009 bis heute keine Fundtiere. Im Fundfall bietet die örtliche Tiernothilfe Obdach, erklärte die Gemeinde. Die meisten Fundhunde gab es 2009 in Wolfhagen: Acht Tiere waren in der örtlichen Hundepension untergebracht.

Die Kosten für die Pensionen tragen zunächst die Kommunen – im Altkreis Wolfhagen aber stellt man dem Eigentümer die Kosten in Rechnung. Vorausgesetzt, der findet oder meldet sich.

Im Altkreis ist das die Regel: „Bisher wurde jedes unserer Fundtiere wieder abgeholt“, sagt Petra Bellon vom Bürgerbüro Habichtwald. Ihre Kollegen in den anderen Städten und Gemeinden teilen diese Erfahrung: Besitzer und Tier finden meist wieder zueinander. Das Tierheim ist normalerweise nur ein Übergangswohnheim.

Von Pia Schleichert

Labyrinth der Zuständigkeiten

Wer am Straßenrand ein miauendes Kätzchen findet und keinen dazugehörigen Besitzer, betritt ein Labyrinth der Zuständigkeiten: Kommune oder Landkreis – wer sorgt für das Tier? Das ist oft eine Auslegungssache, die in der Praxis Probleme macht. „Wird hier ein Tier gefunden, ist das jedes Mal ein großes Theater“, sagt Petra Bellon vom Bürgerbüro in Habichtswald.

Wurde das Tier angebunden, also offensichtlich ausgesetzt, schaltet sich die Tierschutzbehörde vom Landkreis Kassel ein. Sie muss das Tier aufnehmen und versorgen. Die Kommunen sorgen dann für die Unterbringung, wenn das Tier als Fundtier gilt.

So weit, so klar? Nicht ganz. Denn ob ein Tier entlaufen ist oder ausgesetzt wurde, sieht man ihm meist nicht an. In der Praxis helfen sich die Ämter so: „Hunde sind fast immer Fundtiere, die ihrem Besitzer entlaufen sind“, sagt Yvonne Franke vom Ordnungsamt Wolfhagen. Bei Katzen sei die Definition schwieriger: „Denn Katzen streunen ohnehin viel herum.“

Das Ordnungsamt Wolfhagen behandelt lediglich Rassekatzen als Fundkatzen – oder solche, die einen Chip tragen. Die Gemeinde Habichtswald dagegen erkennt nur kranke Katzen als Fundtiere an: „Gesunde Katzen sind nie Fundtiere – denn sie können sich selbst versorgen“, sagt Petra Bellon.

Dabei könnte doch alles so einfach sein, findet Thomas Fingerling, der das Hauptamt in Naumburg leitet: „Wäre jedes Tier mit einem Mikrochip versehen, würden wir sofort erkennen: Das ist ein Fundtier.“ (spi)

Quelle: HNA

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