Das Schicksal der Tiere: ein Ende als Festmahl

In Breuna geht Ludwig Wagner mit elf Gänsen spazieren

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Marsch durch das Dorf: Ludwig Wagner beim Spaziergang mit seinen Gänsen in Breuna.

Breuna. Er hat die Gänse übers Jahr großgezogen, und täglich unternimmt der Breunaer Ludwig Wagner mit seinen gefiederten Freunden einen Spaziergang durchs Dorf.

Das Schicksal der Gänse: ein Ende als Festmahl.

Für die Breunaer Einwohner ist es ein gewohntes Bild, über das sie sich aber jeden Tag aufs Neue freuen. Nicht anders ergeht es vielen auswärtigen Autofahrern, von denen nicht wenige spontan anhalten und mit ihrer Handykamera das Schauspiel fotografieren, wenn Ludwig Wagner mit seinen elf Gänsen nachmittags einen zwei bis drei Kilometer langen Spaziergang durch das Dorf macht.

Abmarsch ist an Wagners „Datscha“ im Industriegebiet „Am Bachmann“, wo die Tiere auch gehalten werden. Über die viel befahrene Ortsdurchfahrt geht es bis zum kleinen Park hinter dem Rathaus, wo seine gefiederten Freunde sich etwas Kraft für den Rückweg anfressen können.

Der 78-jährige Gänsevater, der mit einem Flatterband an einem Stock vorne weg marschiert: „Noch niemals haben sich meine zweibeinigen Freunde vom starken und lauten Fahrzeugverkehr erschrecken lassen und haben panisch versucht, dem zu entrinnen. Einzig wenn ein bestimmter örtlicher Bauer mit seinem schweren Traktor uns begegnet oder überholt, dann habe ich alle Hände voll zu tun, um die Tiere zu beruhigen. Die Gänse gehorchen mir aber aufs Wort.“ Schon im vergangenen Jahr hat Ludwig Wagner mit seinen Gänsespaziergängen für Aufsehen gesorgt.

In diesem Jahr aber gab es zuerst einige Probleme. Seine drei Alt- und Zuchttiere haben zwar Eier gelegt, „über 60 an der Zahl. Sie haben diese jedoch nicht bebrütet.“ Also kaufte sich Gänsehirte Wagner sechs Küken und weckte damit den Mutter- und Vaterinstinkt seiner Alttiere, die nun endlich ihrem Brutgeschäft nachgingen.

Im Mai schlüpften dann neun Küken, die zusammen mit dem gekauften Nachwuchs von Ludwig Wagner groß gezogen wurden. „Ich war rund um die Uhr für sie da, habe mit ihnen sogar am Abend Fernsehen geschaut.“ Einen Teil der Gänse schenkte er seinem Freund Wolfgang Bütter, zwölf blieben im heimischen Stall, „von denen sich eine aber am Maschendrahtzaun selbst stranguliert hat.“

An heißen Sommertagen wurde der tägliche Gänsemarsch gar bis zum am anderen Ortsrand gelegenen Gestüt Rappenhof ausgeweitet. Denn da hatte Ludwig Wagner, der gelernte Maurer, einen Swimmingpool für die dort gezüchteten Islandpferde gebaut. In dem durften auch seine Gänse plantschen.

Noch gut sieben Wochen wird Ludwig Wagner täglich mit den Gänsen unterwegs sein, „dann werden sie Weihnachtsgans-Festtagsbraten. Aber nächstes Jahr werde ich wieder Gänse groß ziehen und mit ihnen spazieren gehen.“

Quelle: HNA

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