Gerda Romeike aus Treysa lädt Einsame und Alleinstehende zu Heiligabend ein

Gäste bringen Freude mit

Angebot auf großen Holzsternen: Viele dieser Sterne hat Gerda Romeike (51) in Treysaer Geschäften verteilt. Darauf ist die Einladung zu Heiligabend formuliert. Foto: Rose

Treysa. Weihnachten im Kreise der Lieben: Das ist der Wunsch vieler Menschen für den Heiligen Abend. Gemeinsam zum Gottesdienst gehen, beisammen sitzen, essen, sich beschenken und plaudern. Doch was manchem selbstverständlich erscheint, fehlt vielen Menschen – die Zuneigung ihrer Nächsten. Für Alleinstehende ohne Angehörige ist der Heilige Abend vor allem durch eines geprägt: Einsamkeit. Wo allerorts Familien beieinander sitzen, wird diesen Menschen ihre Situation umso schmerzlicher bewusst. „Mich hat schon längere Zeit bewegt, wie es Einsamen wohl in den dunklen Monaten November und Dezember geht“, erzählt Gerda Romeike von der Landeskirchlichen Gemeinschaft in Treysa. Im vergangenen Jahr lud sie zum ersten Mal Menschen zum Feiern des Festes zu sich ein.

Auf schlichte Holzsterne hat die gebürtige Fränkin ihre Einladung auch in diesem Jahr geschrieben und sie in Geschäften verteilt. Den Heiligabend im Kreise ihrer Familie stellt sie zurück: „Ich empfinde das nicht so. Eigentlich bin ich doch diejenige, die sehr reich beschenkt wird“, sagt sie im Rückblick auf das vergangene Jahr.

Mit Fingerspitzengefühl

Mit viel Fingerspitzengefühl bereitete sie sich auf den Abend vor. 15 Menschen meldeten sich telefonisch an. „Es war mir ganz wichtig, wie man Menschen an der Tür des Gemeindehauses begrüßt und empfängt“, erzählt Romeike. Die Idee, den Gästen die Möglichkeit zu bieten, ihren Namen auf ein Schildchen zu schreiben und sich dieses anzuheften, kam ebenfalls gut an: „Fremde kommen schneller ins Gespräch, wenn sie einander mit dem Namen ansprechen können“, ist Romeike überzeugt. Unterstützt wurde die 51-Jährige am Abend von ihrem Mann, Prediger Bernd Romeike, und den drei Kindern. „Einzige Bedingung der Kinder war, dass wir später am Abend noch unsere eigene Bescherung machen“, erklärt sie.

Am Nachmittag des 24. Dezember 2012 standen die Türen des Gemeindehauses für Gäste offen. Es kamen mehr Männer als Frauen, viele um die 50. Gerda Romeike reichte Kaffee und Kuchen und hatte sich „zum Aufwärmen“ ein Programm überlegt. Singen, Gedichte und Geschichten hören, kleine Ratespiele. Auch Gesprächspausen, in denen die Besucher die Möglichkeit nutzten, sich zu unterhalten.

Sicher habe man erfahren, welches Leid hinter mancher Biografie steckt. Aber die Menschen hätten sich auch über Kindheitserinnerungen, die frühere Arbeitsstelle unterhalten.

Am Abend stand das für viele traditionelle Essen auf dem Tisch: Würstchen und Kartoffelsalat. „Es war so viel da, dass sich jeder satt essen konnte.“ Auch eine Bescherung hatte die Familie vorbereitet. Für jeden Gast gab es ein Buch und eine Kerze. „Die Gäste sollten etwas mit nach Hause nehmen. Das schönste war, als ich sah, wie die Augen der Menschen am Ende des Abends gestrahlt haben“, erzählt die 51-Jährige.

Einige Tage später sei sie über den Scherzmarkt in Treysa gegangen und habe dabei zufällig gehört, wie eine der Besucherinnen zu einer Bekannten sagte: „Dieser Heiligabend war sehr schön.“ Eine größere Freude hätte man Gerda Romeike nicht machen können.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

Kommentare