Gudensberger galt als der Zuckerpapst

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Für viele eine Hobby: Die Imkerei hat eine lange Geschichte. Heinrich Freudenstein aus Maden legte vor über 100 Jahren wichtige Standards fest.

Maden/Marburg. Aus dem Dörfchen Maden, heute ein Stadtteil von Gudensberg, stammt ein Mann, der für die Entwicklung der Imkerei in Deutschland unverzichtbar war.

Heinrich Freudenstein, der am 1. Februar vor 150 Jahren geboren wurde, galt vor 100 Jahren als der „Zuckerpapst" und war in Fachkreisen deutschlandweit bekannt.

Erst 1902 gab es in Deutschland den ersten Deutschen Imkertag in Weimar, der Imkervereine aus ganz Deutschland an einen Tisch brachte. Fortan entwickelte sich eine gesamtdeutsche Bienenzucht, -forschung und Vereinskultur. Dazu gehörten auch eine gemeinsame Fachzeitung und Fachbücher.

Aber ein Imker sorgte mit seiner eigenwilligen Herangehensweise für Gesprächsstoff: Heinrich Freudenstein aus Maden, Jahrgang 1863. Seine Eltern ermöglichten ihm einen weiterführenden Bildungsweg: Er besuchte das Lehrerseminar und wurde zum Volksschullehrer ausgebildet.

Nebenbei faszinierte ihn von früher Jugend an die Imkerei, bald unterhielt er eigene Bienenvölker. Der Imkerei gehörte seine gesamte Freizeit, er las die erreichbaren Fachbücher, verbesserte die gebräuchlichen Gerätschaften und stellte bald auch eigene Forschungen an. Mit Erfolg.

Bei seinen Versuchsreihen in den eigenen Bienenständen kam er zu der Erkenntnis, dass die „Bienen auf Zucker anstatt auf Honig besser überwintern“. Die Fachkollegen, die die konventionelle Methode des Überwinterns pflegten und die Bienen mit Honig fütterten, begegneten dem Hessen mit Skepsis und Kritik. Zu den Kritikern gehörten auch die führenden Köpfe des Deutschen Reichsvereins für Bienenzucht in Weimar.

Gerade hatte man die deutsche Imker-Einheit hergestellt, nun drohte eine Spaltung. Freudenstein beharrte auf der Grundlage seiner Erfahrungen auf seinen Erkenntnissen und ging soweit, eine eigene Fachzeitung und ein eigenes Fachbuch herauszubringen.

Die Zeitung, die Freudenstein veröffentlichte, hieß „Neue Bienenzeitung“. Sie erreichte mit ihren neuartigen Arbeitsansätzen und -empfehlungen binnen kurzem eine Auflage von 11.000 Exemplaren.

Sein „Lehrbuch der Bienenzucht“ kam bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges auf sechs Auflagen. Weitere Veröffentlichungen folgten. Auch das von ihm verbreitete Rähmchenmaß fand große Verbreitung. Der Zuckerpapst erlebte Neugierde und viel Zuspruch. Viele Imker hielten sich bald an seine Anweisungen, benutzten die von ihm entwickelten Gerätschaften, hatten damit Erfolg und sangen auf Freudenstein ein Loblied.

Am 15. Februar 1935 starb der verdienstvolle Bienenzüchter in Marburg, zwei Wochen nach seinem 72. Geburtstag. Unter Bienenzüchtern ist Freudenstein als Zuckerpapst bis heute ein Begriff. 

Von Martin Stolzenau

Quelle: HNA

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