Arnsbacher Kirmes ist mindestens 117 Jahre alt, vielleicht aber auch viel älter

Ein ganz altes Vergnügen

Damals noch Ausnahmen: Frauen waren 1908 bei der Burschenschaft selten, wie auf dem Foto der Burschenschaft Arnsbach (Fenster oben links). Das änderte sich erst in den 1990er-Jahren. Foto: privat

Arnsbach. Die Kirmes in Arnsbach ist 117 Jahre alt. Mindestens. Ulrike Rininsland, Vorstandsmitglied der Burschenschaft, hat recherchiert und sich im Dorf unter den alten Bewohnern umgehört.

Erstmals erwähnt worden sei die Kirmes in der Dorfchronik am 14. November 1896. Das genaue Alter sei aber nicht sicher: „Auf der Lederkanone, dem Wahrzeichen der Burschenschaft am Ortseingang von Arnsbach, steht 1476.“

Aus den Erzählungen weiß Rininsland, dass die Kirmes früher der Höhepunkt des Jahres war: „Die Erwachsenen haben sich als alte Menschen verkleidet, in den 60er-, 70er-Jahren kam der Fackelumzug mit Kindern dazu“, sagt Rininsland.

Die Verkleidung sollte die bösen Geister fern halten. Aus Lederkanonen wurden Dickwurzeln geschossen, um sich vor vermeintlichen Eindringlingen zu schützen. Anders als heute durften die Kinder damals nur sonntags mitkommen. „Für sie war es das Tollste, sich einen Mohrenkopf zu kaufen.“

Nach zehn Jahren ist Schluss

Die Kirmes im Dorfgemeinschaftshaus in Arnsbach hat gestern begonnen und geht noch bis Sonntag. „Am ersten Wochenende nach Vollmond war Kirmes“, sagt Andre Deiss von der Burschenschaft. Die Kirmes sei im Gegensatz zu anderen Jahrmärkten so spät im Jahr gewesen, weil die Bauern erst da mit der Ernte fertig gewesen seien.

Die 26-jährige Ulrike Rininsland ist im 10. Jahr dabei. Es sei Tradition, dass man da einen Schlussstrich zieht, sagt sie. Sorgen, dass ihr kein neuer Bursche nachfolgt, habe sie nicht: „Es kommt Nachwuchs, wenn auch nur vereinzelt.“ Der 23-jährige Deiss will noch einige Jahre mitmachen: „Für mich zählt der Zusammenhalt und dass wir etwas fürs Dorf tun; Trinksport betreiben wir aber keinen.“

Ulrike Rininsland ist bereits in der dritten Generation ihrer Familie in der Burschenschaft. Neben dem roten Burschenschafts-Zylinder mit bunten Bändern trägt sie die rote Weste des Vaters heute noch. „Anfangs habe ich mich nicht getraut, aber mittlerweile merke ich, es hat mir gut getan.“ Sie habe an Selbstvertrauen gewonnen. Programm: Samstag: Tanz mit der Band „The Tequilas“. Sonntag ist Kinderkirmes und Mottoabend „Bad Taste“. Eintritt: fünf Euro.

Von Nina Nickoll

Quelle: HNA

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