Ein ganz besonderes Auge

Malerstübchen zeigt Werke der Künstlerin Ingeborg Mengel

Willingshausen. Der Alsfelder Künstlerin Ingeborg Mengel (1921 bis 2006) widmet die Vereinigung Malerstübchen eine Ausstellung in der Kunsthalle Willingshausen. Am Wochenende wurde die Bilderschau vor viel Publikum vom Vorsitzenden Helmut Geißel und Bürgermeister Heinrich Vesper eröffnet.

Die Laudatio hielt Friedrich Piesk, der pünktlich zur Ausstellung auch seine Publikation über die Künstlerin präsentierte. Den Anstoß zu dem Buch gab Ehemann Karl-August Mengel, der zusammen mit Sohn Dr. Michael Mengel und Schwiegertochter aus Altenburg in die nahe Schwalm gekommen war. Bereits 2006 realisierten Mitglieder des Malerstübchens eine Ausstellung in Willingshausen, damals in der Alten Apotheke.

Auch im zweiten Anlauf lockte die Künstlerin viele Gäste an. Helmut Geißel, der die Familie Mengel seit 46 Jahren kennt, schätzte „Inges besonderes Auge“: „Ich lernte sie im Schmalfilmfotoclub kennen und bewunderte schon damals ihre Wahl der Motive.“ In der Ausstellung seien deshalb auch Fotografien der Künstlerin sowie ihre Kamera, eine Rolleiflex, zu sehen.

Eine bedeutende Rolle habe für Mengel die Freilichtmalerei in der Schwalm gespielt, erläuterte Friedrich Piesk. Doch schon damals habe sie nie allein des ästhetischen Selbstzweckes wegen gemalt. „Sondern um den Blick für das kulturelle Erbe zu sensibilisieren, zum Schutz der Landschaft und zum Erhalt der Architektur“, verdeutlichte der Laudator. In ihren Aquarellen und Pastellzeichnungen sei stets die Lebendigkeit des Eindrucks spürbar - „die kulturelle Identität der Region“.

Porträts waren Schwerpunkt

Fast 70-Jährig habe sie die Kunst der Radierung erlernt und im zeitaufwändigen Tiefdruckverfahren eine außergewöhnliche Experimentierfreude entwickelt. Ihre Motive fand sie in der Landschaft und Architektur in der Umgebung, Schwerpunkte ihrer Arbeiten waren aber immer wieder Porträts. Ihren in den 1970er-Jahren entstandenen Schwälmer Trachtendarstellungen verdanke sie bis heute ihre Popularität. Dabei verzichtete sie auf genreartige Darstellungen und griff auf ein und dasselbe Modell zurück: Anna Elisabeth Keller aus Schrecksbach, die unterschiedlichste Trachtenteile anlegte und sich von Mengel malen ließ. „Sie verfolgte nie die rein dokumentarische Absicht, sondern setzte ihre Bildidee selbstbewusst um und schöpfte den Ausdruckswert der Farbe voll aus“, verdeutlichte Piesk.

Ebenso selbstbewusst widmete sich Mengel Gegenständen des täglichen Gebrauchs sowie Blumen. In Skizzen und Entwürfen hielt sie außerdem den Verfall von Gebäuden fest. „Selten bearbeitete sie diese Werke nach. So behielten sie ihre unter freiem Himmel entstandene Lebendigkeit und Atmosphäre.“ Ihre Motive hätten dabei nie etwas Spektakuläres oder Morbides: „Sondern die schlichte und stille Aura eines Ortes.“ So habe sie der Stadt Alsfeld in ihren zahlreichen Werken quasi ein Denkmal gesetzt.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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