Wolfgang Stein besucht die Tagesbetreuung, die ihm hilft, den Alltag zu meistern

Ein ganz normaler Tag

Für Weihnachten: Erzieher Jan-Ambos Urbanek (links) bastelt mit Wolfgang Stein Adventsdekorationen für den Oikos-Adventsbasar. Foto: Schittelkopp

Ziegenhain. Als vor 20 Jahren für Wolfgang Stein die Diagnose kam, veränderte sich sein ganzes Leben. Der 65-Jährige leidet an Depressionen und Psychosen. Unterstützung findet er in der Tagesbetreuung von Oikos in Ziegenhain. Seit zehn Jahren gehört die Tagesstätte für chronisch psychisch kranke Menschen zum Programm des Sozialzentrums.

„Es gefällt mir hier sehr gut“, sagt Wolfgang Stein. Mit seiner Erkrankung kam alles durcheinander, wie der Bankkaufmann erzählt. Im Job konnte er nicht mehr mithalten, von den Kollegen kam kaum Rückhalt, dann die Scheidung. Es war für den Hersfelder, der lange Zeit in Frankfurt lebte, nicht mehr möglich seinen Alltag allein in den Griff zu bekommen. Eine Odyssee durch Betreuungseinrichtungen hatte er hinter sich, bevor er nach Ziegenhain kam.

Struktur im Alltag

Stein wohnt nun in einer betreuten Wohngemeinschaft von Oikos. „Hier habe ich meine Familie näher.“ Die Tagesbetreuung ermöglicht ihm und 19 weiteren Menschen Struktur in ihren Alltag zu bringen. Wolfgang Stein steht morgens immer gegen 5 Uhr auf, dann macht er Frühstück für die Mitbewohner. Am Vormittag bringt der Fahrdienst ihn in die Betreuung in der Hessenallee. „Ich habe hier Freunde und Bekannte gefunden“, erzählt er freudestrahlend.

Die Einrichtung gibt Wolfgang Stein die Möglichkeit, einen ganz normalen Alltag zu pflegen. Pflichten wie Einkaufen und Tischdienst sind über einen Plan geregelt. Die Menschen gehen kleinen Arbeiten nach. Derzeit bastelt der 65-Jährige Weihnachtsdekoration für den Adventsbasar. Wenn Stein einige Sterne, Monde und Tannenbäume verkauft, kann er sich sogar über einen kleinen Obolus freuen.

Erzieher Jan-Ambos Urbanek und drei weitere Mitarbeiter kümmern sich um die Menschen in der Tagesbetreuung. Die seelisch Kranken sollen durch das Angebot Fähigkeiten neu- oder wiedererlangen, die es ihnen möglich machen, ihren Alltag zu bewältigen. „Ein Ziel ist es, dass die Menschen später in Werkstätten oder gar auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß fassen können“, sagt Urbanek. Nicht immer gelingt dieser Schritt, viele bleiben jahrelang in der Betreuung. Vorrangig geht es darum, die Situation der Kranken zu verbessern. Denn eine regelmäßige Alltagsstruktur bietet bei einer psychischen Krankheit Halt.

Die Betreuungsplätze finanziert größtenteils der hessische Landeswohlfahrtsverband. Das Sozialzentrum gehört zum St.-Elisabeth-Verein Marburg.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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