Erst nach fast drei Monaten bekam Rekrut Rolf Salzmann den ersten Heimaturlaub

Gasalarm und Seelenachse

Junger Wehrpflichtiger: Rolf Salzmann (rechts), hier mit seinem Ausbilder, der ihm einem Kompass erklärt. Foto: privat

Bad Emstal. Geärgert hatte sich der heute mit seiner Familie im Bad Emstaler Ortsteil Sand lebende Rolf Salzmann schon etwas. Der gebürtige Hofgeismarer, der damals in der ersten Fußballmannschaft der TSG Hofgeismar spielte, musste nämlich nach der Mittleren Reife an der Albert-Schweitzer-Schule, einer anschließenden Ausbildung zum Speditionskaufmann sowie der Musterung am 28. Februar 1962 als Wehrpflichtiger zur Bundeswehr.

Ärgerlich war Salzmann deshalb, weil vier seiner Mannschaftskameraden per privatärztlichem Attest bescheinigt wurde, dass sie angeblich für den Dienst als Bürger in Uniform untauglich seien. Sie mussten nicht zum Bund.

Am 1. Oktober 1962 begann für Rolf Salzmann die 18-monatige Wehrpflicht in der Burgwaldkaserne Frankenberg in der Fernmelde-Ausbildungskompanie 427. Am Tag zuvor bestritt er mit der TSG noch ein Punktspiel in Usseln, zurück in Hofgeismar wurde der Sieg „bis in die Puppen“ gefeiert. Deshalb musste er in Katerstimmung seinen Anreiseplan Richtung Frankenberg etwas verändern, kam nach über vierstündiger Bus- und Bahnodyssee erst kurz vor Toresschluss in der Kaserne an. Die befand sich teilweise noch im Bau, das Gelände war nicht eingezäunt war. „Unser fast ebenerdiges Stubenfenster stand wegen Frischluftzufuhr nachts meistens offen, dadurch hatten wir in unserer Bude öfter ungebetenen Besuch.“

Die Grundausbildung, so erinnert sich der heute 68-Jährige, sei sehr hart gewesen. „Der Winter hatte das Frankenberger Land mit reichlich Kälte und Schnee gesegnet. Außerdem war unser Ausbilder ein echter Schleifer.“

Als wieder einmal Gas-, im Fachjargon ABC-Alarm angesagt war, fragte Salzmann seinen Ausbilder, um welche Art von Gas es sich handeln würde. Daraufhin schickte ihn dieser zu einer Versorgungseinheit auf dem Kasernengelände, er solle eine „Seelenachse“ abholen und ihm bringen. Dort hievte man dem unerfahrenen Rekruten zum Gespött seines Ausbilders eine sieben Meter lange und ziemlich schwere Stange auf die Schultern.

Versöhnungsbier

„Aber“, so Salzmann, „man trift sich ja bekanntlich zwei mal im Leben.“ Er, der 1969 durch Heirat nach Sand kam, stellte fest, dass auch sein ehemaliger Ausbilder dort wohnte. „Wir haben uns durch Zufall getroffen - und dann ein Versöhnungsbier getrunken.“

Bedingt durch die Kuba-Krise bekam Rolf Salzmann erstmals Weihnachten 1962 Heimaturlaub.

Nach der Grundausbildung wurde er Materialbuchhalter in der S4-Stabsabteilung beim ebenfalls in der Frankenberger Burgwaldkaserne stationierten 1. Fernmedebataillon 320. Man versuchte ihn, inzwischen zum Hauptgefreiten befördert, dazu zu überreden, Zeit- oder Berufssoldat zu werden. „Das war aber nicht mein Ding.“ Zumal ihm sein Ausbildungsbetrieb, bei dem er bis zu seinem Renteneintritt in Lohn und Brot stand, einen Arbeitsplatz freigehalten hatte. (zih)

Quelle: HNA

Kommentare