Repticher über ihre Ortsgeschichte und das Zusammenleben am Rande des Kellerwaldes

Gastlichkeit im Gutshof-Garten

Gespräch über den Ort am Kaffeetisch: Gabi Hahnel, Gudrun Koch, Gerhard Hahnel, Hans-Wernher von Loewenstein, Maik Schultz, Ursula Käufler, Hans-Wilhelm Koller und Patrick Ziegler. Fotos: Thiery

Reptich. Herzlicher kann man gar nicht empfangen werden: Der Tisch auf der Terrasse am Gutshof von Loewenstein in Reptich war liebevoll gedeckt, Rosen aus dem eigenen Garten, das feine Geschirr und Erdbeerkuchen, dazu der parkähnliche Garten und nette Menschen. Das war der Auftakt für unsere HNA-Serie „Gespräche am Gartenzaun“ in Reptich.

Nach und nach füllte sich die Kaffeetafel am frühen sommerlichen Abend. Während der Gutsherr Wernher von Loewenstein Kaffekanne und Kuchen heran trug, spazierte über den Seiteneingang der Ortsvorsteher Gerhard Hahnel, samt Gattin Gabi herein. Wehrführer Maik Schultz kam im Feuerwehrkleidung, Patrick Ziegler grüßte locker. Hans-Wilhelm Koller, Ursula Käufler und Gudrun Koch gesellten sich dazu, als kämen sie jeden Tag zum Kaffee in den Garten.

Alte Geschichten aus der Dorfschule machten die Runde, dazu wurden Fakten aufgetischt. 167 Menschen wohnen in Reptich, 53 Prozent sind männlich, 25 Prozent Rentner und 13 Prozent unter 18 Jahren, erklärte Ortsvorsteher Gerhard Hahnel. Und es gibt nur ein Haus im Ort, das leer steht. Darauf sind die Repticher stolz. „Das Dorf ist klein, aber beliebt“, sagen sie. Reptich hat eine lange Tradition. Der Gutshof, genannt Wickershof, wird immer noch in der Regie der Familie von Loewenstein betrieben. „Als die Loewensteins die Burg in Oberurff-Schiffelborn verließen, zogen sie auf die Güter in Gegend“, verriet der Hausherr. Noch heute baut er dort Getreide, Raps und Grassamen an. Die Zebus, die er auf der Weide rund um den Hof hält, sind eher Hobby. Die Rinder stammen ursprünglich aus Indien. Über den Ursprung des Namens Reptich war sich die Runde nicht ganz einig.

Die Anekdote vom Reptilienteich kursierte. Weil die Gilsa in der Schneeschmelze im Kellerwald in diesem Gebiet oft überschwemmt war, tummelte sich allerlei Getier, wie kleinere „Reptilien“, so die Mutmaßung.

Wichtig war immer auch die Mühle. Heute ist sie außer Betrieb, wie sich beim Ortsrundgang zeigte. Die Brücke über die Gilsa teilt den Ort, der zur Hälfte an einem Hang liegt. Sie müsste dringend saniert werden. Vorbei geht es an der Feuerwehr. „Jeder zweite Repticher ist in der Feuerwehr“, erzählt Wehrführer Maik Schultz stolz. „Das ist der beste Schnitt im Landkreis.“ Darüber wartet das Neubaugebiet mit schmucken Häuschen.

Geselligkeit hat Raum

Einmal im Monat laden die Repticher zum Landcafé ein, das Backhausfest, ein Kartoffelfest und am kommenden Wochenende das Straßenfest sind Zeugen der Geselligkeit. Ein Open-Air-Festival soll wieder aufleben. Patrick Ziegler lädt Jugendliche in die „Hütte“ ein, eine renovierte Scheune.

Ortsvorsteher Gerhard Hahnel ist stolz auf die Aktion „Drei Stunden für Reptich“, ein Arbeitseinsatz für den Ort, an dem viele teilnehmen und aufräumen. Das zeige den Orts-Zusammenhalt.

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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