21.000 Euro Schaden

Gaunereien im Internet: Pärchen verkaufte nicht vorhandene Ware

Fritzlar. Unter Vorspiegelung falscher Tatsachen hat ein junges Pärchen im Internet Waren verkauft. Das Geld wurde kassiert, doch die Waren kamen nicht bei den Kunden an. Dafür musste sich das Paar nun vor dem Fritzlarer Amtsgericht verantworten.

Die Anklage: Die Beschuldigten hätten sich einen rechtswidrigen Vermögensvorteil durch Vorspiegelung falscher Tatsachen verschafft. Zu einem Urteil kam es jedoch nicht; die Verhandlung wurde vertagt.

Die 28-Jährige Hochschwangere und ihr 25 Jahre alter Partner hatten vom Sommer 2013 bis zum Frühjahr 2014 auf verschiedenen Internetplattformen unter Decknamen wie „Ringelblume“, oder „Minimaus“, Waren aller Art angeboten.

Die Beschuldigten seien allerdings weder willens noch in der Lage gewesen, die Waren auch auszuliefern, hieß es. 122 Kunden seien betrogen worden. Dabei entstand ein Gesamtschaden von 21.000 Euro. Dazu besteht eine zweite Anklage, die sich gegen die junge Frau richtet, wobei ein weiteren Schaden von 3927,80 Euro entstanden sei. Als die junge Frau vorsichtig vom Gericht dazu befragt wird, lächelt sie nur. Sie sitzt neben ihrem Freund, der aus der Untersuchungshaft in den Saal kam. Sie stehe zu ihm, sagte sie, und erklärte sich selbst für unschuldig. Eine als Zeugin geladene Kriminalbeamtin glaubt hingegen, dass beide gemeinsam gehandelt haben.

Die Anwältin erläuterte das nicht vorhandene Zahlenverständnis ihrer Mandantin. Sie habe die Schule nur bis zur 5. Klasse besucht.

Mann gesteht Taten

Der junge Mann hingegen gestand alle Taten ein. Sein Studium in Kassel hatte er hingeworfen, nachdem sein Drogenkonsum zunahm. Speed, Marihuana, Crystal - alles Erreichbare wurde eingeworfen.

Das Geld kam übers Internet. Er hatte Abbildungen und Angebote anderer Anbieter kopiert und dann als scheinbares Eigentum angeboten. Ein Klick und Nerzmantel, Handy, Schuhe, Handtasche, Bikini, Holzkugelbahn, Canon-Objektive und Babyschaukel waren verkauft.

Das Paar bezog eine renovierungsbedürftige Wohnung und wurde dafür und für einen großspurig verkündeten Geschäftsstart von den Eltern des Angeklagten mit 8000 Euro unterstützt. Sie bemerkten die Drogenabhängigkeit des Sohnes nicht.

Ende Oktober kündigte sich die Schwangerschaft an. „Hör mit den Drogen auf, oder es ist Schluss“, warnte die werdende Mutter. Tatsächlich habe der junge Mann den Konsum verringert. Doch die Sucht nach dem schnellen Euro aus dem Internet sei sogar noch verstärkt worden, um für das Baby zu sorgen.

Ein telefonisches Verkaufsgespräch habe es mit einer weiblichen Stimme gegeben. Dieser ungeklärte Punkt belastet die Angeklagte schwer.

Zwar erläuterte der Haupttäter, er hätte seine Stimme am Telefon verstellt. Der Bitte um eine Probe der weiblichen Stimmlage kam er nicht nach, da er sich nicht vor Gericht zum Clown machen wolle. Der damalige Besteller aus Berlin wird nun als Zeuge geladen.

Von Michael Meinicke

Quelle: HNA

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