HNA-Interview: Halbzeit für den Zierenberger Bürgermeister - Stefan Denn zieht Bilanz

„Gebietsreform ist nötig“

Hat noch viel vor: Zierenbergs Bürgermeister Stefan Denn verrät im Interview, welche Ziele er in der Zukunft verfolgt. Foto: Ricken

Zierenberg. Etwas mehr als die erste Hälfte seiner Amtszeit ist vorbei: Wie sieht die Zwischenbilanz des Zierenberger Bürgermeisters Stefan Denn aus? Was hat sich verändert - in der Stadt, in seinem Leben? Wir haben nachgefragt.

Herr Denn, die Hälfte Ihrer ersten Amtszeit als Bürgermeister ist vorbei. Wohnen Sie inzwischen eigentlich in Zierenberg?

Stefan Denn: Ja, der Umzug war schon im Sommer 2010. Ich hatte es vor der Wahl genau so angekündigt.

Haben Sie sich Ihre anfängliche Ruhe und Gelassenheit im Alltag als Bürgermeister erhalten können?

Denn: Na ja. Ich würde sagen, teilweise. So manches Gespräch mit Behörden bringt mich schon auf die Palme! Gerade als gelernter Verwaltungsmensch ist für mich unnütze und überflüssige Bürokratie ein Graus. Oder wenn eine Problemlösung schon mit vielen Beteiligten fertig gestrickt ist und dann kommen Bedenken, die die Dinge massiv verzögern. Dann werde ich unruhig. Ganz ruhig und gelassen werde ich immer im Kreis von Vereinsvertretern. Da arbeiten Menschen zusammen, die der Stadt und damit dem Gemeinwohl dienen. Und das unterstütze ich durch meine Mitarbeit in Vereinen und als Vorsitzender des DRK.

Eines ihrer Ziele bei Amtsantritt war es, die Außenwirkung von Zierenberg zu verbessern, sich selbstbewusster zu präsentieren. Ist ihnen das gelungen?

Denn: Ich denke, ja. Zierenberg wird inzwischen als eine Stadt mit großem Entwicklungspotenzial im Landkreis wahrgenommen. Die Nähe zum neuen Flughafen Calden, verbunden mit der Lage im Naturpark Habichtswald und die Aufgeschlossenheit des Rathauses gegenüber einer weiteren, größeren Gewerbeentwicklung machen uns nicht nur als Wohn-, sondern auch als Gewerbestandort interessant. Im Landkreis gibt es keine Gemeinde unter 7000 Einwohnern mit einer Million Euro Gewerbesteuereinnahmen und einer guten Nachfrage nach Bauland.

Wie ist es um die Finanzen der Stadt Zierenberg bestellt?

Denn: Die Situation ist nach wie vor angespannt. Das Defizit 2012 liegt bei rund 400 000 Euro. Die Schulden konnten bisher unter neun Millionen Euro gehalten werden. Das ist inklusive der Schulden der ehemaligen Stadtwerke und für die unverkauften Grundstücke, die wir von der HLG übernommen haben. Es war ein ganz selbstbewusster „Zierenberger Weg“. Aber er war richtig. Hätten wir nur die Hälfte aller Schulden und Abschreibungen, wären wir schon bei Haushaltsüberschüssen. Somit müssen wir uns weiter konsolidieren. Der voraussichtliche Verzicht auf das Kunstrasen-Projekt und den Bahnübergang mit Fußweg am Hundemarkt sind die nächsten Schritte.

Gibt es Strategien gegen die Auswirkungen des demografischen Wandels?

Denn: Jede Menge! Zierenberg strotzt vor Ideen. Und die werden nicht nur aufgeschrieben, es wird auch gehandelt. Seit drei Jahren sitzen wir regelmäßig mit Interessierten zusammen, sammeln Ideen und setzen sie um. Daraus haben sich der Bürgerverein Wohnen in der Altstadt entwickelt, Initiativen zur Nachbarschaftshilfe und Großelternpatenschaften. Ich kann mir vorstellen, dass die Nachbarschaftshilfe ein Verein mit klaren Strukturen und neuen Zielen wird, um die „jungen Alten“ besser einzubinden. Unser Senioren-Einkaufsbus hat landesweiten Vorbildcharakter.

Als Schwerpunkte Ihrer Politik nannten Sie bei Amtsantritt die interkommunale Zusammenarbeit und die gemeinsame Vermarktung der Region. Was hat sich getan?

Denn: Die Region - damit meine ich Stadt und Landkreis - muss zusammenwachsen. Die Konzepte liegen auf dem Tisch, aber ohne politischen Mut kommen wir nicht weiter. Langfristig brauchen wir eine Gebietsreform mit einem Finanzausgleich zwischen den Kommunen. Und einen finanziellen Anreiz für den freiwilligen Zusammenschluss von Gemeinden. Es gibt einige interkommunale Projekte, die beweisen, dass hier etwas geht, wie das gemeinsame Ordnungsamt und Standesamt, den Habichtswaldsteig oder die Bildung der Energieregion Kassel. Alles tolle Projekte, aber der große Wurf fehlt. Wenn es nach mir allein ginge, würden Zierenberg und Habichtswald eine Vorreiterrolle einnehmen und sich spätestens in acht Jahren zu einer Gesamtgemeinde vereinen.

Von Bea Ricken

Quelle: HNA

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