HNA-Interview: Lehrer Manfred Momberg über gute Schüler, G8 und Respekt

„Gebt kein Kind auf“

Abschied nach 40 Jahren: Manfred Momberg, der Haupt- und Realschulzweigleiter der Burgsitzschule Spangenberg, schreibt am 31. Januar zum letzten Mal Matheformeln an die Tafel. Dann beginnt seine passive Phase der Alterszeit. Foto: Feser

Spangenberg. Lehrer ist sein Traumberuf: Manfred Momberg geht nach 40 Dienstjahren in Ruhestand, seine Wehrdienstzeit wird dabei mit eingerechnet. Zuletzt war Momberg Haupt- und Realschulzweigleiter der Burgsitzschule Spangenberg. Wir sprachen mit ihm über Schüler und Lehrer im Wandel der Zeit.

Waren die Schüler früher anders? Manfred Momberg: Es gibt viele Kollegen, die das behaupten. Ich sage: nein. Man bemerkt zwar heute die Auswirkungen elektronischer Medien. Aber früher hat es nette und gute Schüler gegeben, und das ist heute genauso. Und dasselbe gilt auch für schwierige Schüler.

Haben die Schüler heute mehr Leistungsdruck? Momberg: Bei unserem ersten G8-Jahrgang habe ich das festgestellt. Dort habe ich Mathe unterrichtet, und manche Schüler standen erheblich unter Druck. Es wurde damals vergessen, gleichzeitig die Stoffpläne zu entrümpeln. Für uns Lehrer war G8 auch neu, und wir haben versucht, fast den gleichen Stoff in einem Jahr weniger durchzunehmen. Allgemein hat der Druck nicht zugenommen, im Gegenteil: Heute ist es für unsere Abgänger wieder leichter geworden, eine Ausbildungsstelle zu bekommen. Vor einigen Jahren haben Schüler 40 bis 50 Bewerbungen geschrieben und nur Absagen bekommen. Das verbessert sich mittlerweile.

Würden Sie heute wieder Lehrer werden? Momberg: Unbedingt. Es war ein Herzenswunsch seit meinem 14. Lebensjahr. Ich war damals Realschüler, war nicht immer der bravste Schüler und hatte oft keinen Bock, Hausaufgaben zu machen. In Mathe stand ich fast auf 5. Da bekamen wir einen neuen Mathelehrer, Herrn Heinz Sauerwein aus Homberg. Er stellte schnell fest, dass wir Achtklässler grundlegende Dinge nicht beherrschten, bestellte uns dienstagnachmittags, in seiner Freizeit, um mit uns das Fehlende nachzuholen. Das hat mir imponiert und mich veranlasst, das Abitur anzustreben, um Lehrer zu werden. Ich habe es nie bereut.

Was haben Sie als Lehrer daraus gelernt? Momberg: Ich sage immer meinen Schülern: Wenn der Wille bei dir da ist, dann schaffst du es auch. Du lernst nicht für die Lehrer und nicht für die Eltern. Wir leisten nur Hilfestellung.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf? Momberg: Die Möglichkeit, jungen Menschen dazu verhelfen, ihr Leben so zu gestalten, wie sie sich das vorstellen – das ist toll. Es ist schön, zu sehen, dass bei sehr vielen angekommen ist, was ich ihnen zu vermitteln versucht habe.

Und was wünschen Sie sich von den Schülern? Momberg: Respekt. Nicht im Sinne von Duckmäusertum, sondern von Anerkennung, dass jemand vor ihnen steht, der etwas Positives bewerkstelligen will. Die Schüler sollten wissen, dass man beim Lehrer etwas lernen kann. Für mich persönlich war es auch immer wichtig, dass ich als Lehrer meine Schüler gerecht bewerte und die das anerkennen.

Was hat sich in den letzten 40 Jahren am Lehrerberuf geändert? Momberg: Schule ist kein starres System. Gesetze und Verordnungen werden erlassen, verändert und müssen umgesetzt werden. Das fällt nicht immer leicht. Die Zielsetzung, den Schulen mehr und mehr Autonomie zu verschaffen und zuzugestehen, ist nach meiner Auffassung der richtige Weg.

Und was können Sie jungen Kollegen mit auf den Weg geben? Momberg: Auf meinem Schreibtisch habe ich eine Ansichtskarte stehen, auf der steht: In der Ruhe liegt die Kraft! Nicht nur den jungen Kollegen möchte ich zurufen: Bleibt gelassener, nehmt nicht alles auf die schwere Schulter. Gebt kein Kind auf. Holt jedes Kind da ab, wo es sich gerade befindet. ZUR PERSON

Von Claudia Feser

Quelle: HNA

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