Kreistag entscheidet Donnerstag über Prüfantrag

Geburtshaus für Wolfhagen wird skeptisch gesehen

Wolfhagen. Die Mitglieder der Kreistages des Kreises Kassel werden sich am Donnerstag erneut mit der Gesundheitsversorgung im Wolfhager Land befassen.

Konkret geht es um einen Antrag der FDP. Darin soll der Kreisausschuss beauftragt werden zu prüfen, ob durch ein Geburtshaus der Wegfall der Geburtshilfe an der Kreisklinik Wolfhagen kompensiert werden kann.

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„Uns geht es darum, wie das Angebot im ländlichen Raum aufrecht erhalten werden kann“, sagt FDP-Fraktionsvorsitzender Björn Sänger. Ein Geburtshaus und ein Hebammennetz, gegebenenfalls unter Einbeziehung der Gynäkologen, seien lediglich Denkanstöße. „Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass eine Entbindung in einem Geburtshaus unsicherer ist als in einem Krankenhaus“, meint Sänger. Während sich die Zahl der Geburtshilfestation an Kliniken seit dem Jahr 1991 von 1600 auf derzeit die knappe Hälfte reduziert habe, nähmen die Geburtshäuser zu.

Die Hebammen im Wolfhager Land betrachten Geburtshäuser zwiespältig. „Sicherlich ist das eine interessante Alternative“, sagt Hebamme Vera Klaus, die in der familiären Atmosphäre dieser Einrichtungen einen klaren Vorteil sieht. Doch es gebe auch eine Reihe Nachteile. Zum einen müssten Hebammen rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Und auch wenn die Krankenkassen für Geburten in einem Geburtshaus mehr zahlten als bei Entbindungen in einem Krankenhaus, so sei die Infrastruktur vergleichsweise teuer. Das sieht auch Hebammenkollegin Astrid Friedrich so. Die Geburtshelferinnen hätten einen höheren Zeitaufwand und eine höhere Verantwortung. Hinzu komme, dass ein Gynäkologe in greifbarer Nähe sein müsse.

Gynäkologen in Nähe 

Frauenarzt Dr. Werner Prinz rät von der Einrichtung eines Geburtshauses eher ab. „Ich halte das für gefährlich“, sagte Dr. Prinz gegenüber der HNA. Wer ein Geburtshaus etablieren wolle, der benötige im Hintergrund eine Klinik, in der man in der Lage ist, Kaiserschnitte zu machen. In Wolfhagen besteht diese Möglichkeit nicht. Gerate eine Frau bei der Geburt ihres Kindes in eine kritische Situation, dauere die Fahrt mit dem Rettungswagen etwa nach Volkmarsen circa 20 Minuten.

Das nächste Geburtshaus gibt es in Kassel.

Quelle: HNA

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