Das Bergbauarchiv in Singlis ist nach Anmeldung für die Öffentlichkeit zugänglich

Das Gedächtnis der Kohle

Präzise Planung war die Grundlage: Museumsleiter Gerhard Lenz mit Bauplänen der AEG für das Kraftwerk aus dem Jahr 1922.

Borken. In einem Gedächtnis ist nicht immer alles sortiert und katalogisiert. Erinnerungen stapeln sich, und einige sind auch verloren gegangen. So ähnlich ist es auch im Borkener Bergbauarchiv, das in der ehemaligen Schule in Singlis untergebracht ist.

Im Gedächtnis des Borkener Bergbaus lagern geschätzte 35 000 Objekte, darunter 16 000 Fotos. Vieles ist schon sortiert und katalogisiert, aber noch längst nicht alles. Zwei Ehrenamtliche beschäftigen sich zurzeit damit, Fotos von Filmen, Platten und Dias sowie Filme zu digitalisieren.

Es gibt keinen Archivar

Das Archiv gehört zum Borkener Braunkohle-Bergbaumuseum. Bis 2002 gab es einen eigenen Archivar, berichtet Museumsleiter Gerhard Lenz, doch die Stelle wurde im Zuge der Sparmaßnahmen gestrichen. Danach arbeiteten Ein-Euro-Kräfte für das Projekt Museal im Archiv, doch auch diese Stellen gibt es nicht mehr.

So bleibt viel Arbeit liegen, reichlich Material wartet noch auf seine Katalogisierung und Einordnung. Doch für historisch Interessierte, Studenten und Fachleute ist das Archiv eine Fundgrube.

Museumsleiter Gerhard Lenz hat ein paar echte Schätze in den Archivbeständen. Dazu gehören die Baupläne für das Borkener Kraftwerk aus dem Jahr 1922. Wöchentlich wurde damals der Baufortschritt von einem Fotografen dokumentiert, auch diese Bilder sind in Singlis.

Das Archiv beherbergt: • Fachzeitschriften Kohle, Bergbau und Energie, teilweise ab den 1920er-Jahren. • Pläne über das Borkener Revier. • Akten, unter anderem über die Unternehmensstruktur, technische Akten, Betriebsanleitungen und ähnliches. • Magister- und Doktorarbeiten über das Borkener Bergbaurevier und über das Museum. • Fotos, Dias und Filme in verschiedenen Formaten.

Im selben Gebäude ist auch die mineralogische Sammlung von Marianne Schrammel untergebracht, die außer im Winter mittwochnachmittags zu sehen ist.

Wer Einblick in die alten und neueren Schätze nehmen will, kann das nach Anmeldung bei Ingo Sielaff (Tel. 0 56 82/80 81 91) tun. Kopien und Reproduktionen von Fotos und Dokumenten können bestellt werden..

Das Bergbauarchiv wächst weiter und damit auch die Arbeit. Es ist wie in jedem Gedächtnis. Gerhard Lenz sagt: „Der Platz ist nicht das Problem, sondern das Ordnen und Erfassen.“

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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