Frielendorfer Bibeltage: Bischof Prof. Dr. Martin Hein sprach über Apokalyptik

Gedanken zum Weltuntergang

Willkommen: Dekan Christian Wachter (rechts) empfing Bischof Prof. Dr. Martin Hein am Mittwochabend in Frielendorf. Foto: Rose

Frielendorf. „Apokalyptik – eine besondere Sicht auf die Welt“: Unter dieser Überschrift stand am Mittwochabend der Auftakt der Frielendorfer Bibeltage.

Dabei handelt es sich um eine Veranstaltungsreihe des Evangelischen Forums, der Kirchengemeinde Frielendorf, dem Kirchenkreis Ziegenhain, dem Referat Erwachsenenbildung und der Bibelgesellschaft von Kurhessen-Waldeck. 55 Zuhörer waren gekommen, um Bischof Prof. Dr. Martin Hein sprechen zu hören.

In seinem Vortrag beleuchtete er das so genannte Septembertestament – der 1521 erschienenen ersten Fassung von Luthers Übersetzung des Neuen Testaments. Dabei war die „Offenbarung des Johannes“ das einzige Buch der Bibel, das bebildert wurde. „Die unverständlichen Sprachbilder schienen Luther nur auf diese Weise vermittelbar zu sein“, erklärte Hein. Es sei der endliche Zusammenhang, der die Menschen beschäftige, wie lang die Welt wohl existieren werde. Dabei war der Weltuntergang nicht erst Thema in der Gegenwart, sondern auch schon in der Reformation. „Es gibt die unstillbare Sehnsucht, die mit der Endlichkeit des eigenen Lebens zu tun hat“, sagte der Bischof. Dabei rücke die Frage nach dem Ende der Welt stets in Krisenzeiten und bei Katastrophen stärker in den Mittelpunkt.

Apokalypse, das heiße übersetzt Enthüllung oder Offenbarung. Und eben jener Offenbarung des Johannes unterstellte Luther Unklarheit: „Luther sind diese Visionen suspekt. In seinem Verständnis ist das Wort Gottes klar und eindeutig.“ Luthers Sichtweise untermauerte Hein am Beispiel einer Illustration. Sie zeige unter anderem einen Drachen mit einer dreigliedrigen Krone. „Das ist die Tiara, die Krone des Papstes“, skizzierte der Bischof. Damit sei eindeutig zu identifizieren, dass der Papst das Tier aus dem Abgrund ist. „Luther bezeichnet den Papst hier als den Antichrist, den Zerstörer des Christentums.“ Mit dieser Illustration habe er das wahre Wesen des Papstes enthüllen wollen. Diese Anschuldigung habe die evangelische Kirche später höchst offiziell wieder zurück genommen.

Wissenschaftlich herrsche übrigens keine Einigkeit über die Apokalypse. Mit der Endzeit sei aber immer auch eine Zukunftsprognose verbunden. Dass letztlich Gott das letzte Wort behält, machten die Bücher Daniel und Johannes klar. Sie handelten nicht von Jenseitsvertröstung, sondern seien Trostbücher, um die Gemeinde zum Aushalten zu bewegen, verdeutlichte Hein. „Vertröstung lähmt, Trost lässt uns neue Hoffnung schöpfen.“ Sandra Rose

Quelle: HNA

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