An der Bewegungsjagd am Weidelsberg beteiligten sich 110 Schützen – sie ist die größte Jagd im Altkreis

Geduldiges Warten auf das Wild

Mit dem Verblasen der Strecke ist die Jagd beendet: 110 Jäger haben sich am Montag an der Bewegungsjagd an der Weidelsburg beteiligt. Viele kamen aus der Region, mit unter reisten sie ab er auch aus Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden an. Fotos: Thon

Ippinghausen. Der Wald am Weidelsberg gleicht an diesem Montagmorgen einem Schwamm. Er hat den Regen der Nacht aufgesaugt. Keine optimalen Jagdbedingungen. Die Natur schluckt die Geräusche, die den Jägern einen Hinweis auf herannahendes Wild geben könnten. 110 Schützen haben sich kurz nach zehn im Staatswald bei Ippinghausen auf ihren Hochsitzen eingerichtet. Sie sind vereint im kollektiven Warten, hoffen auf eine ordentliche Strecke mit bis zu 80 Stück Wild.

Um halb elf werden 70 Stöberhunde von der Leine gelassen. Ihr Job: Sie sollen Wildschweine, Rehe und Rotwild aus ihren Verstecken treiben, die Tiere aufschrecken und in Bewegung bringen. Doch, noch ist es nicht soweit. Stille hat sich wie ein Tuch über den Wald gelegt. In der Ferne bellt ein Hund, ein anderer heult kurz auf. Die Spannung ist spürbar, in wenigen Sekunden wird sich die Szenerie verändern. Dann ist es aus mit der Ruhe. Aus allen Richtungen ist plötzlich Hundegebell zu hören. Kurz darauf jagt der erste Vierbeiner aufgeregt am Hochsitz vorbei. Sein Besitzer hat ihm eine knallbunte Weste angelegt – so ist er von weitem gut sichtbar, Verwechslungen mit einem Wildschwein ausgeschlossen. Kaum ist er verschwunden im Dickicht, hecheln eine Bracke und ein Terrier vorüber.

„Die Bewegungsjagd imitiert das Prinzip Wolfsrudel“, sagt Uwe Zindel, Leiter des Forstamtes Wolfhagen. Erst bricht Hektik über den Wald herein, dann kehrt die Ruhe zurück. Zindel sitzt vor einer dampfenden Tasse Tee aus der Thermoskanne, beobachtet den Streifen Wald vor seiner Nase, das Gewehr schussbereit neben sich.

Eine Rotte Sauen

Aus dem Nichts taucht eine Rotte Sauen auf. Als hätte sie ein Geist auf die Waldbühne gehoben. Geräuschlos ziehen die 15 Wildschweine eines nach dem anderen vorüber – die kräftigsten Tiere vorn, die schwächsten am Ende. Dicke Fichtenstämme geben ihnen Deckung. Der Repetierer kommt nicht zum Einsatz.

Dann kehrt wieder Frieden ein. Es ist diese Ruhe, mit der sich die Natur am stärksten bemerkbar macht. Von Zeit zu Zeit rollt eine Windböe über die Wipfel, schüttelt fette Regentropfen aus den Bäumen. Die Hunde haben ihren Elan bald aufgebraucht. Sie sind klatschnass, groggy und suchen nun Menschennähe. Ein Spaniel läuft die steil angestellt Sprossenleiter zum Hochsitz hinauf und holt sich dort eine Streicheleinheit.

Drei Stunden lang wird das Wild bejagt. Außer der Rotte streifen in dieser Zeit ein Fuchs vorbei und ein flüchtendes Reh. Beide sind für Uwe Zindel tabu – der Fuchs, weil er den Wald sauber hält, das Reh, weil es sich zu schnell bewegt, um es sicher treffen zu können. Ein weiteres Reh und ein Frischling haben weniger Glück, sie kreuzen direkt den Lauf der Büchse. Sie sind Zindels Beitrag zur Strecke von 40 Sauen, 22 Stück Rehwild und einem Fuchs.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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