Gefährliche Bakterien lauern in Fleisch und Gemüse

Schwalm-Eder. Die Gefahr resistenter und krankmachender Bakterien lauert auch auf Fleisch und Gemüse im Schwalm-Eder-Kreis.

1500 Proben nehmen die Lebensmittelkontrolleure des Kreisveterinäramtes im Jahr durchschnittlich, etwa 50 waren im vergangenen Jahr mikrobiologisch kontaminiert, sagt Dr. Hans-Gerhard Heil, Leiter des Veterinäramtes. Das heißt, die Proben enthalten Bakterien mit Resistenzen gegen Antibiotika oder krankheitsauslösende Bakterien wie Salmonellen.

„Für die Verbraucher im Landkreis spiele es dabei keine große Rolle, ob sie ihre Lebensmittel in einem Supermarkt oder bei einem regionalen Erzeuger kaufen“, sagt Heil. Antibiotikaresistente Bakterien ließen sich nahezu überall finden.

Lesen Sie auch:

- Stichprobe: Resistente Keime in jedem zweiten Hähnchen

„Ein großes Risiko, das oft nicht bedacht wird, geht auch von Obst und Gemüse aus“, warnt Heil. Auch dort seien Bakterien vorhanden, die resistent gegen Antibiotika seien. Dies gelte vor allem für Zwiebelgemüse, Salat, Wurzelgemüse und Obst. Roh verzehrt können solche Bakterien leichter in den Verdauungstrakt gelangen und dort ihre Resistenz auf gefährlichere Bakterien wie Salmonellen übertragen. Dies sei das Ergebnis einer Studie mit mehr als 2000 Proben der Technischen Universität München und des Wissenschaftszentrums Weihenstephan.

Auf diesen Proben habe man in vielen Fällen resistente Bakterien gefunden, die ihre Resistenz an andere, gefährlichere Bakterien weitergeben könnten. Um dieses Risiko zu minimieren, empfiehlt der Kreisveterinär eindringlich, Gemüse, insbesondere solches, das roh verzehrt werden soll, gründlich zu waschen.

Die Küchenhygiene sei von immenser Bedeutung, wenn der Ausbreitung von resistenten Bakterien Einhalt geboten werden soll. Dies gelte gerade auch für Küchenpersonal in Krankenhäusern und Altenpflgeheimen.

Resistenzen nehmen zu

Die Bakterienfunde des BUND in Hähnchenfleisch sind alarmierend. Im Schwalm-Eder-Kreis nehmen die sieben Lebensmittelkontrolleure regelmäßig alles unter die Lupe: Frittenfett, Weintrauben aus dem Supermarkt und Kinderspielzeug. 1500 Proben nehmen die Kontrolleure. In 50 (drei Prozent) haben sie im vergangenen Jahr mikrobiologische Verunreinigungen wie Bakterien und andere Krankmacher gefunden, die dort nicht hingehören.

Das Veterinäramt sieht auch bei den Hähnchenzüchter und Produktionsprozessen genau hin: Mit dem Gudensberger Hähnchenproduzenten Stolle ist ein großer Schlacht- und Verarbeitungsbetrieb im Schwalm-Eder-Kreis ansässig.

„Wir nehmen etwa 350 Proben jährlich im Stolle-Schlachthof“, sagt Dr. Hans-Gerhard Heil, Leiter des Kreisveterinäramtes. Diese würden selbstverständlich auch auf Antibiotika, multiresistente Keime, E.coli und vieles mehr untersucht. In der Geflügelzucht müsse insbesondere nach Salmonellen geschaut werden. „Die Wahrscheinlichkeit, dass in deutschen Betrieben Salmonellen gefunden werden, ist aber heutzutage viel geringer als noch vor Jahren“, sagt Heil.

Gemessen an der Menge der Lebenmittel ist der Anteil, der mit pathogenen Keimen (krankmachen) belastet ist, verschwindend gering. Das sagt Dr. Ute Steinhof, die beim Landesbetrieb Landeslabor in Kassel für die mikrobiologische Untersuchung von Lebensmitteln zuständig ist. Der Prozentsatz von Proben mit einer Gesundheitsgefahr für Verbraucher liegt weit unter einem Prozent, sagt Steinhof. „Dabei finden wir zum Teil auch Salmonellen in Gewürzen und roher Bratwurst oder E.coli in Sahne und Speiseeis.“

Diese Keime sind oft aber eher ein Hinweis dafür, dass in einem Betrieb nicht die nötigen Hygienevorschriften eingehalten werden. Von ihnen muss aber keine direkte Gesundheitsgefährdung für die Verbraucher ausgehen, schränkt Steinhof ein. Denn die Keime kämen in der Regel in vergleichsweise geringer Zahl vor. Vorsicht sei aber dennoch immer geboten.

Quelle: HNA

Kommentare