Debatte um Unfallschwerpunkt

Gefährliche Strecke: Straße bei Gut Bodenhausen wird geprüft

Habichtswald/Zierenberg. Das Gerichtsverfahren nach dem Unfalltod eines Motorradfahrers bei Gut Bodenhausen im Juli 2015 wurde jetzt eingestellt, doch die Debatte um einen möglichen Unfallschwerpunkt an der Strecke zwischen Ehlen und Zierenberg ist neu entfacht.

Dr. Bernd Stein, Fachanwalt für Verkehrsrecht, spricht von einer „brandgefährlichen Stelle“, die dringend entschärft werden müsse.

Vor allem die Senke nahe Gut Bodenhausen ist aus Sicht des Anwalts ein Problem, „und das nicht nur für Ortsunkundige“, sagt er. Mehrere Sekunden könnte man an dieser Stelle entgegenkommende Fahrzeuge aus dem Blick verlieren. „Es ist höchste Zeit, dass entsprechende Maßnahmen ergriffen werden“, sagt der Anwalt. Dies könnte entweder eine bauliche Veränderung sein, die die Senke anhebe, oder auch ein Überholverbot-Schild mit einem Zusatz wie „Achtung, Gefahr“, schlägt er vor. Stein hatte im Prozess den Audi-Fahrer vertreten, der den jungen Motorradfahrer angefahren hatte.

Die Polizei schätzt das Teilstück nach wie vor nicht als Unfallschwerpunkt ein. Das bestätigt Matthias Mänz, Sprecher der Polizeidirektion. Auch Hessen Mobil verweist darauf: „Die Stelle ist kein Unfallpunkt“, sagt Sprecher Horst Sinemus. Über bauliche Änderungen an der Strecke sei deshalb auch noch nicht gesprochen worden. Ein Verkehrszeichen könne man ohne entsprechende Anordnung der Verkehrsbehörde nicht aufstellen.

Der Landkreis Kassel reagiert dennoch: „Es wird ein Treffen mit allen Beteiligten vor Ort geben“, sagt Andreas Sennhenn auf HNA-Anfrage. Neben der Verkehrsbehörde des Kreises wird auch Hessen Mobil dabei sein, die Polizei und die Straßenmeisterei. Gemeinsam werden dann Polizeiberichte detailliert besprochen. Das Treffen wird aber nicht, wie in der Printausgabe angekündigt, am Donnerstag stattfinden können, sondern erst in den kommenden Wochen.

Senke lässt Fahrzeuge verschwinden

Regelmäßig ist Rechtsanwalt Dr. Bernd Stein auf der Landesstraße zwischen Ehlen und Zierenberg unterwegs. Er weiß also um die Tücken der Kurven bei Gut Bodenhausen und der Senke, die entgegenkommende Fahrzeuge manches Mal für Sekunden verschwinden lässt.

Zwei Töchter, die bereits den Führerschein besitzen, hat der Anwalt für Verkehrsrecht, und ihnen hat er eingeschärft, rund um das Gut Bodenhausen den Fuß vom Gas zu nehmen und nicht zu überholen. „Die Stelle hätte schon längst entschärft werden müssen“, sagt Stein.

Baulich, so sagt er, könnte man die Senke verändern. Oder aber Schilder aufstellen, die das Überholen verbieten. „Es wäre so einfach.“ Ein Verkehrszeichen, das das Überholen untersagt, würde es auch leichter möglich machen, strafrechtlich zu agieren. Wer nämlich trotz Verbots dort überhole, sei „strafrechtlich voll verantwortlich“, so der Kasseler Stein.

Der Fahrer des Audi, der im vergangenen Juli einen Motorradfahrer beim Überholen dort übersehen hatte - der junge Mann starb bei dem Zusammenstoß - wäre wegen fahrlässiger Tötung verurteilt worden, wenn ein Verkehrsschild an der Strecke gestanden hätte, sagt der Fachanwalt für Verkehrsrecht. So wurde das Verfahren eingestellt, der Unfallverursacher muss 10 000 Euro an die Mutter des getöteten 20-Jährigen zahlen (HNA berichtete).

Richtungstafeln wurden schon erhöht

Die sogenannten Richtungstafeln, die in Rot und Silber auf scharfe Kurven hinweisen, seien bereits erhöht worden, damit sie besser zu sehen sind, sagt Andreas Sennhenn vom Landkreis Kassel. Die Strecke am Gut Bodenhausen sei aber „nicht als Unfallschwerpunkt klassifiziert“.

Doch nun könnte Bewegung in die Sache kommen. Die Verkehrsbehörde des Kreises plant ein Treffen vor Ort mit allen Entscheidern: Neben der Behörde selbst werden dann die Polizei, Hessen Mobil und die Straßenmeisterei dabei sein.

Fachanwalt Stein hofft nun darauf, dass etwas passiert. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit, dass sich dort endlich etwas ändert“, sagt er. „Denn ich beschäftige mich lieber mit anderen Fällen.“

Quelle: HNA

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