Gefahr durch Erreger: Jedes vierte Taxi mit MRE-Keimen belastet

Hygiene muss sein: Hans-Jürgen Brandau schwingt mitunter selbst den Putzlappen, um die Sauberkeit in seinen Fahrzeugen zu garantieren. Um Erregern vorzubeugen, werden auch Kaltvernebelungen - eine besondere Desinfektinsmethode - durchgeführt. Foto: Beck

Wolfhagen. Multiresistente Erreger (MRE) sind vor allem in Krankenhäusern und in der Pflege ein Problem. Sie können insbesondere für immungeschwächte Patienten gefährlich werden. Aber auch in Kranken-Taxen, Bussen und Bahnen oder am Einkaufswagen sind die Keime zu finden.

Eine Studie im Auftrag des Gesundheitsamtes zeigt: Jedes vierte Taxi für den Krankentransport ist mit resistenten Keimen belastet. Für Menschen mit schwachem Immunsystem kann eine Infektion durch die Bakterien mitunter lebensgefährlich werden. Dieses Resultat basiert auf einer Stichprobe der Unikliniken Frankfurt und Gießen. „Multiresistente Erreger sind längst in der Gesellschaft angekommen“, sagt Dr. Markus Schimmelpfennig, der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamtes Region Kassel und Leiter des MRE-Netzwerks Nordhessen. Somit sind die Bakterien auch im Altkreis Wolfhagen allgegenwärtig.

Keine Macht den Keimen

„Wir versuchen unsere Fahrzeuge natürlich so sauber wie möglich zu halten“, sagt Hans-Jürgen Brandau, „und wollen auch in Bezug auf die multiresistenten Erreger vorbeugen.“ Der Inhaber eines Taxiunternehmens führt auf, dass gerade wegen den häufigen Krankentransporten, die sich nach eigenen Angaben auf mindestens 300 bis 400 Fahrten im Monat belaufen, ganz besonders auf die Sauberkeit in den Fahrzeugen geachtet wird: „Für Chemo- oder Dialyse-Patienten kann das sonst verheerende Folgen haben. Deshalb ist es ganz wichtig, dass sie ein sauberes Taxi vorfinden, das im besten Fall frei von allen Erregern ist.“ Um das Gros der Bakterien zu beseitigen, würde hin und wieder eine Kaltvernebelung ausgeführt, so Brandau.

Besondere Desinfektionsmaßnahmen sind für private Krankentransportbetreiber laut dem Personenförderungsgesetz aber nicht verpflichtend. Diese Patienten werden in der Regel mit Kranken-Taxen, sogenannten nicht qualifizierten Krankentransporten, befördert.

Markus Schimmelpfennig

Auch Unternehmer Franz-Josef Lassner richtet sein Augenmerk immer wieder verstärkt auf die Pflege seiner eingesetzten Fahrzeuge. „Jeden Tag werden unsere Taxis gereinigt. Dazu verwenden wir auch Hilfsmittel, um gegen die Keime vorzugehen“, sagt Lassner, der seit rund 16 Jahren Personen befördert und auch Krankentransporte durchführt. Er halte eine grundlegende Desinfektion aber nicht für notwendig. „Schließlich ist noch nie etwas passiert.“

Laut der erwähnten Studie befanden sich die meisten Erreger an den Sicherheitsgurten und den gängigen Fahrzeugflächen.

Der Ball liegt aber nicht nur auf Seiten der Unternehmer, sondern auch für die Mitfahrer gibt es einige goldene Regeln, die das Risiko vor einer Infektion drastisch sinken lassen: Die gründliche Desinfektion von Händen ist die goldene Hygiene-Regel, um sich generell vor Keimen zu schützen. Markus Schimmelpfennig sagt, dass die MRE-Krankheitserreger nicht sonderlich aggressiv seien und sich eine Infektion grundlegend auch gut behandeln ließe. Die beiden Wolfhager Taxifahrer sehen sich gut aufgestellt und gerüstet im Kampf gegen die MRE-Keime und wollen auch in Zukunft alles für die Hygiene in ihren Taxen tun.

Hintergrund

Zu den multiresistenten Erregern (MRE) gehört auch MRSA (Methicillinresistenter Staphylococcus aureus). Das sind Bakterien der Art Staphylococcus aureus, die gegen Antibiotika wie Methicillin resistent sind. In Deutschland sind das rund 20 Prozent der Staphylococcus aureus. MRSA löst etwa 30 Prozent aller Krankenhausinfektionen aus. Jährlich sterben bis zu 2000 Patienten daran. MRSA, ein typischer Hautkeim, wird in der Regel durch Kontakt über die Hände und Flächen übertragen. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene schätzte für 2009 etwa 40 000 Todesfälle jährlich durch in deutschen Krankenhäusern zugezogene Infektionen. (mkx/bal/nic)

Quelle: HNA

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