Bernd Weitzel ist Experte, wenn exotische Tiere Polizei und Feuerwehr gefährden

Die Gefahr ist lebendig

Schwalm-Eder. Wenn Schlangen, Spinnen und andere Exoten im Landkreis ausbüxen, ist das ein Fall für Bernd Weitzel. Und diese Fälle kommen immer häufiger vor. Standen früher Katzen, Meerschweinchen und Hunde ganz oben auf dem Wunschzettel vieler Kinder, so liegt mittlerweile auch mal eine exotischere Tierart unter dem Weihnachtsbaum.

Schlangen und Spinnen haben ihren Weg in die Wohn- und Kinderzimmer im Landkreis gefunden, die zahlreichen Zooabteilungen in den großen Baumärkten sind dafür Beleg. „Schlangen liegen im Trend“, sagt der Reptilienexperte Bernd Weitzel aus Trutzhain.

Tier entwischt

Was passiert aber, wenn mal einer der kleinen Lieblinge den Weg in die Freiheit sucht und seinem Eigentümer entwischt oder der Halter mit den Tieren überfordert ist?

„Dann steht irgendwo ein Windelkarton mit Schlangen auf der Straße, die ihren Weg nach draußen suchen, Passanten erschrecken und einen Polizei- oder Feuerwehreinsatz auslösen“, kritisiert Weitzel mit einem Kopfschütteln. Das sei verantwortungslos.

In solchen Fällen greifen die Einsatzkräfte gerne auf die Fachkenntnis von Experten wie Bernd Weitzel zurück.

Seit über 30 Jahren beschäftigt sich der Mann aus Trutzhain mit Schlangen. Er verfügt über den Fachkundenachweis nach Paragraf 11 des Tierschutzgesetzes, welcher ihm den Umgang mit den exotischen Tieren erlaubt.

Verbot seit 2007

Aufgrund seiner jahrelangen Erfahrung im Umgang mit giftigen Schlangen ist er auch überregional ein gern gesehener Ansprechpartner. „Mich haben schon Berufsfeuerwehren angerufen und um Rat gefragt,“ berichtet der Schlangenexperte.

„Feuerwehren und Polizei können bei solchen Einsätzen überfordert sein. Wer kennt sich schon mit giftigen Schlangen aus.“ Häufig werde das Verhalten der Tiere und die Leistungsfähigkeit unterschätzt. Ein Laie sei von der Schnelligkeit einer Mamba oder Kobra schnell überrascht. Obwohl es in Hessen seit 2007 ein Verbot für gefährliche Wildtiere gibt, haben Halter mit giftigen Tieren Bestandsschutz und diese können dann auch bei vermeintlich normalen Feuerwehreinsätzen zum Problem werden.

„Feuerwehren und Polizei können bei solchen Einsätzen überfordert sein. Wer kennt sich schon mit giftigen Schlangen aus.“

Bernd Weitzel

In Homberg stand mal ein Angriffstrupp bei der Brandbekämpfung zwischen Terrarien mit Schlangen. „Die Jungs sind dann nach den notwendigen Erstmaßnahmen ganz schnell raus aus der Wohnung und haben auf mich gewartet“, erzählt Weitzel. Den Feuerwehren empfiehlt der Experte Einsätze mit unbekannten Tieren zunächst wie einen Gefahrguteinsatz zu behandeln und nach der GAMS-Regel abzuarbeiten: „Das G steht für Gefahr erkennen, A für Absperren, M für Menschenrettung und das S für Spezialkräfte nachfordern.“

Viele Feuerwehren im Bundesgebiet haben den Bedarf erkannt und kleine, spezialisierte Tierrettungseinheiten aufgestellt.

„Idealerweise sollte der alarmierte Experte aus den Reihen der Feuerwehr kommen, um sich nahtlos in die Strukturen an der Einsatzstelle einfügen zu können. Eine solche Professionalisierung wünscht sich Weitzel auch für den Schwalm-Eder-Kreis. ARTIKEL UNTEN

Von Matthias Haaß

Quelle: HNA

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