Arnold Schnittger und seine Sohn Nico auf Tour für besseren Umgang mit Behinderten

Gegen Barrieren im Kopf

Gut gelaunt: Der 18-jährige Nico mit dem Inklusionsmaskottchen Lina.

Schwalm-Eder. Wenn Arnold Schnittger in diesen Tagen seinen Sohn Nico im Rollstuhl durch die Gegend schiebt, geht es nicht zur Eisdiele oder in den Zoo, sondern von Flensburg an den Bodensee. Die Familie macht diese Tour, um auf Probleme beim Umgang mit behinderten Menschen aufmerksam zu machen.

Am 19. Juli war Schnittger mit seiner Lebensgefährtin Bärbel Meyer, dem 18-jährigen Nico und Tour-Koordinator Volker Brückner in Flensburg zur Wanderung nach Gaienhofen am Bodensee gestartet. Schnittger, der seinen von Geburt an behinderten Sohn pflegt, kennt die schwierige Situation von Behinderten und Pflegenden in Deutschland und will die Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen.

„Barrieren sind nicht nur Bürgersteige und Treppen, sondern auch im Kopf der Menschen beim Umgang mit Behinderten und deren Situation“, sagte er in Fritzlar am Donnerstag.

Nachdem die Aktion in Schleswig-Holstein und in Hamburg kaum Unterstützung seitens der Politiker fand, wurden die Schnittgers in Niedersachsen an fast allen Etappenzielen von den Bürgermeistern begrüßt.

Immer unterwegs von Etappe zu Etappe: Nico (im Rollstuhl) und Arnold Schnittger machten Station in Fritzlar (Foto) und in Homberg, heute wollen sie in Schwalmstadt über ihr Anliegen informieren. Auf dem Foto begleitet sie die Walking-Gruppe der Diakonie Baunatal.

In Hessen fanden die Wanderer in Hofgeismar, Fritzlar und Homberg große Zustimmung. Anja Hassenpflug, Leiterin der Kita Osterbach in Homberg, sieht das Vorhaben der Familie Schnittger sehr positiv. „Es ist wichtig, auf das Problem der Inklusion aufmerksam zu machen“, sagte sie am Freitag beim Treffen auf dem Marktplatz (siehe weiteren Artikel unten).

Bürgermeister Hartmut Spogat betonte in Fritzlar, dass die Stadt bei allen Baumaßnahmen eng mit Sigrun Gölling, der Behindertenbeauftragte des Kreises, zusammenarbeite. Zugleich erwähnte er, dass Fritzlar seit 25 Jahren die Stelle eines Behindertenbeauftragten habe und, wie leider nur wenige andere Kommunen, seit 2007 die Zielvereinbarung mit den Sozialverbänden nutzt, um Behinderten das Leben zu erleichtern.

Dr. Helmut Umbach, Dekan des Kirchenkreises Fritzlar, schilderte, dass er die Situation von Behinderten aus eigenem Erleben kenne. Er war nach einer Operation eine Zeit lang auf einen Rollstuhl angewiesen und empfand viele Situationen sehr negativ. Er wünschte Schnittger auf der Tour viel Kraft. Linda Hommel vom VdK brachte einen Scheck, vom Fritzlarer Gerd Ecklmeier mit. Ebenfalls dabei waren Vertreter der Gruppe Selbstbestimmte Behindertenpolitik sowie eine Walking-Gruppe der Baunataler Diakonie, die Nico begleitete.

Quelle: HNA

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