Fünf Stolpersteine erinnern an die jüdische Familie Nußbaum aus Neukirchen

Gegen das Vergessen

Gedenken der vertriebenen jüdischen Familie Nußbaum: Die Schüler der Klasse 9b der Steinwaldschule mit fünf Stolpersteinen für die jüdische Familie Nußbaum, in der Mitte der Künstler Günter Demnig. Fotos: Decker

Neukirchen. Der Künstler Günter Demnig hat am Mittwochvormittag fünf Stolpersteine für die jüdische Familie Nußbaum an der Kurhessenstraße 55 in Neukirchen verlegt. In einer feierlichen Gedenkstunde erinnerten die Schüler der Klasse 9b der Steinwaldschule an das Schicksal der Mutter Natalie Nußbaum und ihrer Kinder Regina, Theodor, Martin und Ferdinand.

Die Schüler hatten sich in einem sechswöchigen Projekt im Religionsunterricht mit der einst aus Neukirchen vertriebenen Familie beschäftigt. Sie recherchierten im Internet, im Archiv des Altkreises Ziegenhain und fragten beim Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes nach. Durch ihre Recherche erfuhren sie, dass die Mutter Natalie, geb. Goldschmidt, mit ihren zwei Söhnen Martin und Ferdinand 1936 von Neukirchen nach Frankfurt vertrieben wurde. 1941 wurde Natalie Nußbaum gemeinsam mit ihrem Sohn Ferdinand nach Lotz/Litzmannstadt deportiert, wo sie 1942 ermordet wurde. Die Quellenlage über Ferdinands Schicksal sei nicht eindeutig gewesen, berichteten die Schüler, aber er sei ebenfalls ermordet worden.

Theodor Nussbaum floh bereits 1933 nach Holland und später nach Palästina. Der Tochter Regina gelang 1935 ebenfalls die Flucht nach Palästina, ein Jahr später folgte ihr Bruder Martin. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, fasste Günter Demnig sein Kunstprojekt zusammen.

„Auch wenn wir schon 53 000 Steine in 19 Ländern gesetzt haben, gibt es keine Routine“, betonte Demnig, „hinter jedem Stein steht eine Lebensgeschichte.“ Bürgermeister Klemens Olbrich dankte den Spendern und den Schülern für ihr Engagement.

Er verwies auf die seit Jahren bestehende Kooperation der Steinwaldschule mit der Melanchthon-Schule bei der Erforschung der Schicksale jüdischer Familien aus Neukirchen. Mit Chorälen vertiefte der Posaunenchor der Melanchthon-Schule die besinnliche Stunde.

Von Christiane Decker

Quelle: HNA

Kommentare