Sprach Sozialdemokraten aus der Seele

Früherer SPD-Chef Kurt Beck sprach im Borkener Bürgerhaus

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Kontakt mit dem Wähler: Der ehemalige SPD-Vorsitzende Kurt Beck schüttelte vor dem Borkener Bürgerhaus viele Hände.

Borken. Kurt Beck war noch nicht zum Wahlkampf vor dem Borkener Bürgerhaus eingetroffen, als die SPD die Musik andrehte. „Was wollen wir trinken, sieben Tage lang?“, dröhnte es über den Platz, auf dem sich ein paar Handvoll Neugierige versammelt hatte.

Kurze Zeit später näherte sich Kurt Beck, ehemaliger SPD-Chef und ehemaliger Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, umgeben von lokalen und regionalen SPD-Größen. Beck hat den Ruf, volksnah zu sein – und so zeigte er sich auch in Borken. Er schüttelte Hände, winkte, hörte zu und lobte die Stadt für ihre Anstrengungen im Strukturwandel.

Geübter Wahlkämpfer

Im kleinen Saal des Bürgerhauses sprach Beck, der nach eigenem Bekunden sehr gerne Wahlkampf macht, dann vor 50 Besuchern, viele davon Sozialdemokraten. Schnell wurde klar, dass da ein geübter Wahlkämpfer hinter dem Rednerpult stand.

Er griff die amtierende Bundesregierung an und fragte mit Blick auf die Berliner Koalition in den Saal: „Wem fällt ein Thema ein, bei dem die sich in den vergangenen vier Jahren einig waren?“

Beck absolvierte einen 40-minütigen Rundgang durch sozialdemokratische Leib- und Magenthemen; vom Mindestlohn über eine Steuer auf Spekulationsgewinn, von der Ablehnung ständig befristeter Arbeitsverhältnisse bis zu gleichen Bildungschancen für alle.

Die Kanzlerin habe gesagt, man müsse die Demokratie marktfähig machen, sagte Beck und entgegnete: „Nein! Wir müssen die Märkte immer demokratiefähig halten.“ Mal emotional, mal humorvoll, mal volkstümlich präsentierte sich der Pfälzer und traf die Stimmung des Publikums in Borken. Bei der Wahl gehe es um Weichenstellungen und – in Anspielung auf die Diskussion um Kanzlerkandidat Peer Steinbrück – nicht darum, wer welchen Wein zu welchem Preis trinke.

Nicht mitdiskutieren durften Norbert Gimbel und Lutz Baumann vom Arbeitslosenverein OASE, die vor der Tür Schilder hochhielten: „SPD und Grüne sind die ’Verbrecher’ von Hartz IV.“

Das empfand SPD-Geschäftsführer Hans Griese als Beleidigung und erteilte beiden Hausverbot. Bei anderen Veranstaltungen hätten sie bereits durch Zwischenrufe gestört.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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