Geismarer hat über 1000 alte Münzen und vieles mehr entdeckt

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Klaus Dieter Schmidt aus geismar mit Fundsachen: Alles nur Schrott.

Geismar. Klaus Dieter Schmidt aus Fritzlar-Geismar hat in seinem Leben wahrhaftig schon viel gefunden. Schmidt ist aber kein Finder, sondern, wie er betont, ein Entdecker. Der Unterschied: Ein Finder wird beauftragt, etwas Bestimmtes zu finden, ein Entdecker nicht.

Der Geismarer hat die Erlaubnis, mit einem Metallsuchgerät in der Gemarkung seines Heimatdorfes auf Entdeckungstour zu gehen, den Vertrag darüber mit Hessen-Archäologie hat er fein säuberlich abgeheftet. Und den Experten in Marburg meldet er auch, wenn er fündig geworden ist.

Start mit alten Patronen

Los ging es vor 20 Jahren wohl mit alten Patronenhülsen, die Schmidt an Schrotthändler verkaufte. Doch über dieses Stadium ist er längst hinweg; selbst alte Musketenkugeln fallen bei ihm längst unter den Oberbegriff Schrott.

Denn Schmidt spielt archäologisch gesehen längst in einer anderen Liga, spätestens seit 1997. Damals stieß er in gerade mal 20 Zentimeter Tiefe auf sage und schreibe 270 Silbermünzen – den Geismarer Silberschatz. Die Fundstücke stammen aus dem Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763).

Die Kulturstiftung der Kreissparkasse kaufte den Schatz. Jetzt lagert er, wie Schmidts andere Funde, an einem sicheren Ort. Das Gefühl, als er den Schatz entdeckte, beschreibt Schmidt so: „Ein bisschen Euphorie.“ Überhaupt will der 66-Jährige kein großes Aufhebens um seine Tätigkeit machen.

Dabei hat er im Lauf der Zeit geschätzte 1000 Münzen entdeckt, von der kaiserlichen Goldmünze aus dem 18. Jahrhundert bis hin zu einem Regenbogenschüsselchen.

Darunter versteht man eine keltische Goldmünze, von denen laut Schmidt bisher überhaupt nur 13 Exemplare gefunden wurden, eine davon war die aus Geismar.

Wenn der frühe Bauschlosser und Rohrleger etwas aus der Erde holt, meldet er den Fund per Formular nach Marburg. Manche Stücke werden dort untersucht, bevor sie zurückgeschickt werden.

Übrig blieb der Knipping

Eine etwas ramponierte Goldmünze ist ein Escudo, der um das Jahr 1630 geprägt wurde. An den Seiten fehlen sichtbar einige Stücke. Damals wurden, wenn man etwas kaufte, einfach Teile der Münze abgeknipst. Das, was übrig bliebt, nannte man Knipping. Vielleicht, so vermutet der Geismarer Hobbyhistoriker Hans Günter Humburg, stammt daher auch das Wort knippig als Synonym für geizig.

Ob Handgranaten, 2000 Jahre alte Speerspitzen, Schmucknadeln aus Bronze oder Schuppen einer Ritterrüstung – Klaus Dieter Schmidts Entdeckungstouren sind immer auch eine Reise in die wechselvolle Vergangenheit dieser Region.

Etwa ein Drittel der Gemarkung habe er bearbeitet, sagt er, es bleibt also noch viel zu tun. Schmidt sagt: „Du findest überall was.“

Geismarer Silberschatz soll ins Museum

Der Fund von 270 Silbermünzen war Klaus Dieter Schmidts spektakulärste Entdeckung. Es handelte sich laut Schmidt um Kriegsgeld aus dem Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763).

„Es war der größte Schatz aus dieser Zeit in ganz Hessen“, sagt Schmidt. Mit dem Erwerb des Fundes durch die Kulturstiftung der Kreissparkasse Schwalm-Eder war ein Vertrag verbunden, in dem sich die Stadt Fritzlar verpflichtete, den Schatz der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Passiert sei seit der Entdeckung Anfang 1997 jedoch nichts, bemängelt Schmidt. Das soll sich in absehbarer Zeit ändern, sagte Fritzlars Bürgermeister Hartmut Spogat auf Anfrage der HNA.

Konzept in Arbeit

Zurzeit wird an der Konzeption des Regionalmuseums gearbeitet, dieses soll baulich und inhaltlich neu gestaltet werden. Dabei, so sagte Spogat, sollten so genannte Museumsinseln zur Stadtgeschichte eingerichtet werden. Eine werde sich voraussichtlich mit dem Münz- und Prägerecht in Fritzlar beschäftigen.

An dieser Stelle solle dann auch der Geismarer Silberschatz zu sehen sein. Allerdings müssten dafür unter anderem noch die Sicherheitsvorkehrungen im Museum verbessert werden. Details der Planung stünden noch nicht fest und müssten noch diskutiert werden, sagte Spogat.

Nach seinen Informationen gebe es zudem ein Münz-Exponat mit Fritzlar-Bezug, das sich zurzeit in Stockholm befinde. Man wolle es gerne nach Fritzlar holen.

Eine weitere Museumsinsel solle sich mit der Militärgeschichte Fritzlars befassen, erläuterte Spogat. Die Architektenaufträge würden in diesen Tagen vergeben.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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