Stephanie Dodin und ihr Mann haben nach dem Erdbeben Japan verlassen

Nach Erdbeben: Aus Japan gekommen, um zu bleiben

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Neu in der Stadt: Stephanie Dodin und ihr Mann Taiki Hatayama wollen die nächsten Jahre in Deutschland bleiben. Zurzeit wohnen sie bei ihrer Cousine in Melsungen.

Melsungen. „Im Moment ist es einfach zu gefährlich“, sagt Stephanie Dodin und meint damit ihre bisherige Heimat Japan. Kurz nach deem Erdbeben, hätten sie und ihr japanischer Mann, Taiki Hatayama, nicht daran gedacht, das Land zu verlassen.

Sie waren beim Beben mit dem Schrecken davon gekommen. Die 26-Jährige, die seit November 2009 in Saitama in der Nähe von Tokio lebt, erzählt, dass sie sich als die Erde bebte ein Kissen auf den Kopf gelegt und in der Toilette unter die Tür gestellt hatte. „Weil mein Mann hat gesagt, dass ist der sicherste Ort.“ Der Tisch im Wohnzimmer ist zu Bruch gegangen und ein Spiegel von der Wand gefallen.

Mit ihrem Mann, der bei der Arbeit war, hatte sie noch telefoniert, aber dann brach das Netz zusammen. Als das Beben vorbei war, ist sie vor die Tür gegangen. Sie fühlte sich dort sicherer als in der Wohnung im Mehrfamilienhaus.

Vier Tage keinen Kontakt

Sorgen haben sich Taiki Hatayama und seine Frau um Taikis Mutter und seinen Großvater gemacht. Die beiden leben in Kamaishi am Pazifischen Ozean. Dort wütetet der Tsunami. Kurz nach dem Beben hatte die Mutter ihrem Sohn noch eine Mail geschrieben, dann war der Kontakt abgebrochen.

In den Nachrichten, sagt die 26-Jährige, hätten sie gesehen, dass das Gebäude in dem die Mutter gearbeitet hatte, völlig zerstört war. „Wir haben im Internet immer die Listen mit den Toten bzw. Lebend gefundenen durchgesehen“, erinnert sich die junge Frau. Endlich nach vier Tagen meldete sich die Mutter. Zwar nur kurz, aber immerhin wussten Taiki Hatayama nun, dass ihr, dem Großvater und dem Haus nichts passiert war.

In den nächsten Tagen wurde die Situation in Japan immer dramatischer. Die Verwandten in Deutschland machten sich große Sorgen. In Stephanie Dodin wuchs die Angst. „Der Radius der Evakuierungen rund um das Atomkraftwerk Fukushima wurde immer größer,“ erinnert sich die 26-Jährige. Auch hätte sie, die zwar Japanisch spricht, aber sagt, dass sie von den Nachrichten im japanischen Fernsehen nicht immer alles versteht, den Eindruck gehabt, dass die Reporter im Fernsehen einen immer besorgteren Eindruck machten.

Irgendwann konnte sie nicht mehr schlafen und nicht mehr essen vor Angst. Sie wollte weg. Ihr Mann war von der Idee erst wenig begeistert.

Seine Kollegen, erzählt die 26-Jährige, hätten nicht verstanden, dass er ernsthaft daran dachte das Land zu verlassen. Aber als er gesehen habe, wie groß ihre Angst war, habe er zugestimmt nach Deutschland zu fliegen. Stephanies Mutter hat über das Internet Flugtickets besorgt und so sind sie und ihr Mann nur mit dem Nötigsten am 18. März morgens auf dem Pariser Flughafen gelandet.

Zurzeit wohnen die beiden bei ihrer Melsunger Cousine. Taiki Hatayama, der sich in Melsungen ein bisschen fühlt als wäre er in die Vergangenheit gereist, hat schon angefangen Deutsch zu lernen, um möglichst bald arbeiten zu können. Auch seine Frau sucht einen Job.

Die nächsten Jahre wollen sie in Deutschland bleiben, auch wenn sie nicht ausschließen, irgendwann nach Japan zurück zu kehren. 

Quelle: HNA

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