Gelacht wird hier lauter

Leonardo und Heike Rist aus Rio de Janeiro arbeiten bei B.Braun

Fühlen sich wohl: Leonardo und Heike Rist aus Rio de Janeiro sind seit Januar 2011 zum beruflichen Austausch in Melsungen. Foto: Kamisli

Melsungen. Nicht das Bier, nicht die deutsche Gemütlichkeit, sondern ausgerechnet das deutsche Wetter haben es Leonardo und Heike Rist aus Rio de Janeiro angetan. Die beiden Brasilianer arbeiten für drei Jahre bei B.Braun in Melsungen.

„Das mit dem Wetter glaubt mir erst immer keiner“, sagt der 33-Jährige, der in der IT-Abteilung tätig ist. „Wir haben nicht diesen deutlichen Wechsel der Jahreszeiten. Hier gibt es im Winter Schnee, im Frühling Blumen, die Natur verändert sich und mit ihr auch die Stimmung der Menschen“, sagen die beiden.

Seit Januar 2011 lebt das Ehepaar in Kassel. In den Alltag in Deutschland haben sie sich gut eingefunden, am Anfang seien es vor allem die kleinen Dinge gewesen, die sie verunsichert haben: Wo bekommt man ein Handy, wer fernsehen will, muss GEZ bezahlen und dass man seine Satellitenschüssel selbst anbaut.

Auch an den Humor der Deutschen mussten sich Heike und Leonardo Rist erst gewöhnen. „Der Humor der Leute ist anders“, sagt der 33-Jährige. In Brasilien sei es ganz normal, Witze über eine Person zu machen ohne böse Hintergedanken, aber hier haben die beiden festgestellt, komme diese Art von Witzen nicht so gut an.

Zum Lachen gibt es dennoch viele Gründe für Leonardo und Heike Rist, die deutsche Wurzeln hat und den beruflichen Austausch auch dafür nutzt, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern.

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Komische Situtionen habe sie zum Beispiel erlebt, weil es im Deutschen anders als im Portugiesischen für alles eigene Begriffe gibt, sagt die 31-Jährige, die bei B.Braun im Qualitätsmanagement arbeitet. „Alle haben sich kaputt gelacht, als ich von meinen Fußfingern statt von meinen Zehen gesprochen habe“, erzählt sie und muss beim Gedanken daran selbst lachen. So etwas passiere ihr immer wieder, wenn sie direkt vom Portugiesischen ins Deutsche übersetzt.

Sich adäquat ausdrücken zu können, das fehlt Leonardo Rist ein bisschen. Er verständigt sich auf Englisch und versteht auch Deutsch ganz gut, aber es sei eben nicht so einfach in einer fremden Sprache die eigene Persönlichkeit gleich richtig rüberzubringen.

Aufgefallen ist den beiden, dass es in Deutschland weniger laut ist als in ihrer Heimat. „Selbst auf öffentlichen Plätzen ist es hier viel ruhiger“, sagt Leonardo Rist. Während die Brasilianer dazu neigen immer lauter zu sprechen, wenn etwas interessant wird, würden die Menschen hier viel kontrollierter und leiser sprechen. „Aber beim Lachen sind die Deutschen eindeutig lauter als bei uns zuhause.“

Von Barbara Kamisli

In der Serie „Melsunger auf Zeit“ stellen wir in loser Folge B.Braun-Mitarbeiter aus aller Welt vor, die einige Zeit in der Zentrale in Melsungen verbringen und uns ihre Eindrücke von Deutschland schildern.

Quelle: HNA

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