Mit ehrenamtlichen Fahrern rollt seit 25 Jahren der Bürgerbus Kirchheim

Der Gelbe macht mobil

Rundverkehr: Auf der Vormittagsroute beginnt der Bürgerbus um 8.05 Uhr seine Fahrt in Kirchheim. Die identische Nachmittagsroute beginnt um 13.20 Uhr in Kirchheim. Grafik: Rusche/HNA

Oberaula. „Der Gelbe“ ist in Oberaula ein Dauergast. Außer an Feiertagen dreht er zuverlässig seine Runden durch die Großgemeinde, bringt die Menschen zusammen und ist ein Segen für alte Leute, die ohne eigenes Auto noch mobil sein wollen. „Der Gelbe“, das ist die liebevolle Bezeichnung für den Bürgerbus Kirchheim, der eigentlich seine Heimat im Landkreis Hersfeld-Rotenburg hat.

Seit 23 Jahren ergänzt der Kirchheimer Bürgerbus den öffentlichen Nahverkehr in Oberaula. Aber „Der Gelbe“ ist noch älter: Am 2. Juni 1986 begann, zunächst als zweijähriges Modellprojekt des Landes Hessen, der Fahrbetrieb. In diesem Jahr wird der Nahverkehr als Nachbarschaftshilfe also ein Vierteljahrhundert alt.

„Bürger fahren für Bürger“, so lautet das Motto: Am Steuer des Kleinbusses für bis zu acht Fahrgäste sitzen ehrenamtliche Fahrer und machen so einen preisgünstigen Nahverkehr möglich. Die Idee stammt ursprünglich aus Holland und ist vor allem in Nordrhein-Westfalen weit verbreitet.

Der erste in ganz Hessen

„Überall in den Nestern gab es keinen Verkehr, und in den großen Bussen fuhr keiner mit“, blickt Gerhard Noltemeyer, Vorsitzender des Fördervereines Bürgerbus Kirchheim, zurück. „Und es war der erste Bürgerbus in ganz Hessen“, ergänzt Heinrich Schenk, seit dem ersten Tag Schriftführer.

Der Bürgerbus der Gemeinde Kirchheim, der mit seiner gelben Lackierung auffallen soll, fährt regelmäßig an allen Werktagen von Montag bis Freitag eine Vor- und eine Nachmittagstour. Insgesamt 220 Kilometer legt er dabei täglich zurück. „Der Gelbe“ verbindet die Ortsteile Kirchheims untereinander und zusätzlich mit einigen Ortsteilen der Nachbargemeinden Oberaula und Breitenbach sowie der Kreisstadt Bad Hersfeld zu einem kostengünstigen Tarif. Die Fahrt innerhalb einer Großgemeinde kostet einen Euro, die Tour von Oberaula nach Hersfeld etwa 3,10 Euro.

„Der Bürgerbus ist noch nie liegengeblieben.“

Vorsitzender Gerhard Noltemeyer

In der Großgemeinde Oberaula fährt der Bürgerbus durch das Aulatal nach Wahlshausen, hält jeweils zwei Mal in Oberaula und Hausen, bevor es mit einem Stopp in Ibra wieder durch das Ibratal Richtung Kirchheim geht. Fahrgäste aus Friedigerode können bei Bedarf ihre Fahrt beim Fahrer des Bürgerbusses morgens telefonisch anmelden.

Ob zum Besuch beim Augenarzt in Hersfeld, zum Wochenmarkt, Klinikum oder Bahnhof in der Kreisstadt, für Besuche von Freunden und Bekannten in den Ortsteilen: Vor allem Senioren und Schwerbehinderte, die 15 Prozent der Fahrgäste ausmachen, können mit dem Bürgerbus bequem Termine erledigen.

„In 25 Jahren ist noch nie ein Fahrzeug liegengeblieben“, sagt Noltemeyer, und bis auf einen waren bisher alle kleinen Blechschäden und Rempler ungefährlich und vom Bürgerbusfahrer unverschuldet.

Und Schriftführer Heinrich Schenk kann sich, seit er am Steuer sitzt, überhaupt nur an zwei Fahrten mit einem leeren Bus erinnern. Denn im Durchschnitt sind drei bis vier Fahrgäste an Bord. WEITERE ARTIKEL

Von Jürgen Köcher

Quelle: HNA

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