Neue Gebühr frass Ersparnisse einer Rentnerin auf – Postbank erstattet ihr nun das Guthaben zurück

Das Geld war einfach so weg

Leer: Ingeborg Schuchhardt hatte nur einen kleinen Geldbetrag auf ihrem Sparbuch liegen, doch die 38 Euro gingen für Gebühren drauf. Foto: Schittelkopp

Trutzhain. 1,01 Euro fand Ingeborg Schuchhardt noch auf ihrem Sparbuch, als sie es kürzlich auflösen wollte. Da staunte die 68-Jährige aus Trutzhain nicht schlecht. Zwar lag kein Vermögen mehr bei der Postbank, doch die Rentnerin ärgerte sich trotzdem.

38 Euro hatte sie zuletzt auf ihrem Sparbuch, das sie seit 2003 nicht mehr benutzte. Doch seit 2008 erhebt die Postbank eine Jahresgebühr von zwölf Euro auf ältere Sparbücher, auf denen weniger als 60 Euro liegen und die nicht genutzt werden. Und so reduzierte sich der kleine Sparbetrag von Ingeborg Schuchhardt Jahr für Jahr.

Infobrief nie bekommen

Nach Aussagen der Postbank seien alle Kunden mit einem persönlichen Brief auf diese Änderungen der Geschäftsbedingungen aufmerksam gemacht worden. Die Trutzhainerin hatte jedoch nie ein solches Schreiben erhalten.

„Es geht mir nicht um das Geld, doch man kann mit den Kunden nicht so umgehen“, ärgert sich die Rentnerin. Seit mehr als 50 Jahren besitzt das Ehepaar Schuchhardt zwei Sparbücher, beide arbeiteten früher für Telephonbau und Normalzeit, eine Firma, die Telefonanlagen der Post errichtete. Dieter Schuchhardt hatte 80 Euro auf dem Sparbuch liegen, die hob er nun vollständig ab. „Für das Auflösen der Sparbücher entstehen bestimmt noch einmal Gebühren“, vermutet das Ehepaar. Auch eine andere Sorge plagt Ingeborg Schuchhardt: Fallen die jährlichen Gebühren auch auf ihr Restguthaben von einem Euro an? „Muss ich dann in zehn Jahren drauf zahlen“, sagt die Seniorin.

Auf HNA-Anfrage teilte die Postbank mit, dass Auflösen des Sparbuchs sei gebührenfrei, auch können solche Sparanlagen nicht unter null Euro rutschen.

Nach der HNA-Anfrage hatte hatte Pressesprecherin Iris Laduch-Reichelt eine gute Nachricht für das Trutzhainer Ehepaar: Da Ingeborg Schuchhardt das Informationsschreiben mit den neuen Gebühren nie erhalten habe, bekomme sie die Gebühren nachträglich zurückerstattet.

„Wenn Medien nachfragen, bewegt sich was“, sagt Ingeborg Schuchhardt und freut sich über die Rückzahlung. Das Ehepaar hatte bereits im Internet gesucht und war dort auf viele unzufriedene Postbank-Kunden gestoßen.

Für sie ist es unverständlich, warum die Bank solchen Ärger der Sparer auf sich zieht: „Selbst wenn jeder nur einen Euro auf dem Konto hat, kann die Bank damit Geld machen“, vermutet die Rentnerin. Sie möchte auch andere Kunden der Bank aufmerksam machen: „Vielleicht haben noch andere ihr Sparbuch seit Jahren im Schrank liegen.“

Die Schuchhardts überlegen nun, ob sie die Sparbücher nicht einfach im Schrank vergraben und sich die Kündigung sparen. Benutzen werden die beiden die Sparbücher jedenfalls nicht mehr.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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