27-Jähriger aus Neustadt

„Geld her, sonst knall ich dich ab“: Bewährungsstrafe für Überfall

Wabern/Kassel. „Nochmal gibt es nicht so ein mildes Urteil", schärfte Richter Jürgen Stanoschek dem Angeklagten ein, der am Freitag, 2. Mai, einen Backshop in Wabern überfallen hatte.

Wegen schwerer räuberischer Erpressung im minder schweren Fall hatte das Kasseler Landgericht den 27-Jährigen aus Neustadt (Hessen) zu zwei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt - und diese zur Bewährung ausgesetzt.

Dass er so gut wegkam, hatte der geständige Angeklagte auch dem Naturell seines Opfers zu verdanken: Die ältere Bäckerei-Bedienstete berichtete gestern als Zeugin, wie der 27-Jährige kurz vor Ladenschluss in den Shop und zu ihr hinter die Theke kam. Er habe eine Pistole in Nähe ihrer Schläfe gehalten und verlangt: „Mach kein' Scheiß. Gib mir Geld. Sonst knall ich dich ab.“

Der Angeklagte wurde noch am gleichen Abend gefasst. Die Frau aus der Bäckerei hatte bis 23 Uhr mit der Polizei zu tun. Früh um sechs ging sie wieder arbeiten. Das Ganze habe ihr nicht so sehr zu schaffen gemacht, wie befürchtet, sagte sie: „Ich habe es relativ gut überwunden.“

Die Waffe, die der Neustädter ihr vorgehalten hatte, war nicht echt - sondern eine Softairpistole. Auch die fand die Polizei noch am Tatabend, in einem Rucksack nahe dem Bahnhof Wabern. Neben der kompletten Beute von rund 270 Euro und einer beim Überfall nicht getragenen Motorradmaske befanden sich auch die Haustürschlüssel des Angeklagten. Er habe alles weggeworfen, als ihm klar geworden sei, „was passiert ist“, hatte der 27-Jährige vor Gericht dazu gesagt.

Ihn selbst gabelte die Polizei in der Regiotram nach Treysa auf. Auch nach Wabern war er mit dem Zug gekommen. Er sei zuvor nie dort gewesen, sagte er, sei einfach in den Zug Richtung Kassel ein- und dort ausgestiegen, weil er verzweifelt etwas habe überfallen wollen. Er habe damals Geld gebraucht um eine Strafe wegen Urkundenfälschung zu bezahlen. „Da ich das nicht auftreiben konnte, musste ich ins Gefängnis - das wollte ich nicht.“

Zur Zeit sitzt der 27-Jährige nun doch in Ersatzhaft. Diese Erfahrung mit der Strafvollstreckung habe abschreckende Wirkung genug, versicherte Verteidiger Michael Woelbert im Plädoyer. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor drei Jahre Haft gefordert. Woelbert argumentierte weiter: „Die jetzige Umgebung wirkt nicht gerade resozialisierend.“ Unter Bewährung hingegen könne sein Mandant sein Leben noch ordnen. Mit etwas Glück sehe man ihn nie wieder: „Dann haben wir was geleistet.“

Supersonderangebot 

Leistung verlangte aber auch der Richter vom Angeklagten: Um sich zu bewähren, dürfe der 27-Jährige nicht nur keine Straftaten begehen - er müsse auch die Auflage erfüllen, sich aktiv um Arbeit zu bemühen. Das Urteil sei ein „Supersonderangebot“ - und eines mit begrenzter Geltungsdauer.

Von Katja Schmidt

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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