Bewährungsstrafe für 38-Jährige aus dem Schwalm-Eder-Kreis

Aus Geldnot fast 850 Briefe unterschlagen

Schwalm-Eder. Eine 38-jährige ehemalige Kurierfahrerin aus dem Schwalm-Eder-Kreis ist zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt worden. Das Fritzlarer Amtsgericht sah es als erwiesen an, dass die Frau 847 Postsendungen unterschlagen hat.

Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem wurde ihr eine Geldbuße von 1000 Euro auferlegt. „Wir können uns für solche Fälle nur entschuldigen“, sagt Thomas Kutsch, Sprecher der Deutschen Post. Die Anforderungen an Subunternehmen seien sehr hoch, so bräuchten Mitarbeiter ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis.

Dies hatte die Angeklagte, die von 2006 bis 2009 bei einer für die Post tätigen Spedition in Wabern arbeitete. Ihre Aufgabe war es, Briefe zum Postamt zu bringen. Im Zeitraum von April bis Dezember 2009 hat sie die Briefe unterschlagen. Diese soll sie gezielt ausgesucht und geöffnet haben. Sie war dabei auf der Suche nach Geld.

Verurteilt wurde sie wegen Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses und veruntreuender Unterschlagung. Aufgeflogen war sie im Dezember 2009 bei einer Kontrolle ihres Dienstfahrzeugs. In diesem und in ihrem Rucksack wurden Postsendungen entdeckt. Noch am selben Tag durchsuchte die Polizei ihre Wohnung. Dort fand man den Großteil der verschwundenen Post. Der materielle Schaden war dabei vergleichsweise gering. Sie soll 240 Euro und 100 US-Dollar an sich genommen haben.

„Der Schaden für unser Unternehmen ist ungleich höher“, sagt Kutsch. Wenn Postsendungen verschwänden, falle dies immer auf die Post zurück. Geld gehöre indes nicht in Briefumschläge. Denn: „Für Briefe haften wir nicht. Das wäre bei 68 Millionen beförderter Sendungen täglich nicht möglich“, sagt Kutsch.

Die Post schützt sich gegen Missbrauchsfälle: Die Konzernsicherheit befasse sich mit Beschwerden und Unregelmäßigkeiten. „Die Mitarbeiter gehen Verdachtsmomenten immer nach.“

Ein ähnlicher Fall beschäftigte Post und Polizei auch Anfang September vergangenen Jahres in Felsberg: Ein Mitarbeiter des Zustelldienstes der Deutschen Post ließ dort mehrere tausend Briefe und zahlreiche Pakete verschwinden und hortete sie in seiner Felsberger Wohnung und Garage. Vermehrte Beschwerden von Postkunden sowie ein Sicherheitskonzept der Post hatten zur Ermittlung des Mannes und zur Durchsuchung geführt. Mit der Unterschlagung handelte sich der Felsberger die sofortige Kündigung und eine Strafanzeige ein. Das Verfahren läuft derzeit noch, Angaben zum Tatmotiv und zum Strafmaß sind daher noch nicht bekannt. (zam/ddd/juh)

Quelle: HNA

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