Ermittlungen gehen weiter

Fußballschlägerei: Geldstrafe reicht für Landgericht aus

Kassel/Zimmersrode. Mehr als zwei Jahre nach der Fußballschlägerei auf dem Sportplatz in Zimmersrode ist die juristische Aufarbeitung wohl immer noch nicht vorbei.

Zwar endete am Montag auch die Berufungsverhandlung gegen einen 32-Jährigen aus Borken mit einer Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung. Doch statt der achtmonatigen Bewährungsstrafe, die das Fritzlarer Amtsgericht deshalb im September verhängt hatte, hielt das Landgericht in Kassel eine Geldstrafe in Höhe von 1500 Euro (150 Tagessätze à zehn Euro) für ausreichend.

Dafür droht nun zwei weiteren Männern ein Strafverfahren. Mehr als 20 Zeugen an zwei Verhandlungstagen hatte die Berufungsstrafkammer geladen, um aufzuklären, was im April 2012 nach dem Kreisliga-A-Duell zwischen dem TuS Zimmersrode und der Spielvereinigung Zella/Loshausen geschehen ist.

Wie es dazu kommen konnte. Und vor allem: Wer die Schuld daran trägt, dass der Vorsitzende der SpVgg - ein 35 Jahre alter Polizeibeamter - durch Tritte ins Gesicht schwer verletzt wurde.

Der Mann hatte schlichtend einzugreifen versucht, als ein Zimmersröder Spieler nach dem Abpfiff auf einen Gäste-Fan losgegangen war. Es ging um Beleidigungen während des Spiels. Darunter möglicherweise - da gingen die Zeugenaussagen, wie fast immer in diesem Verfahren, weit auseinander - auch rassistische Schmähungen. Es kam zu einem Handgemenge, bei dem der SpVgg-Chef zum Leidtragenden wurde: Wehrlos am Boden liegend, erlitt er unter anderem einen Bruch der Augenhöhle.

Bei der erstinstanzlichen Verurteilung war dafür der Angeklagte - ein Spieler der zweiten Zimmersröder Mannschaft - verantwortlich gemacht worden. Das Landgericht sah das nun jedoch anders: „Wir können nicht feststellen“, erklärte Richter Michael Reichhardt, „dass er damit unmittelbar etwas zu tun hat.“ Denn die gravierendsten Verletzungen waren durch den Tritt mit einem Stollenschuh entstanden. Und der 32-Jährige hatte nur normale Turnschuhe getragen.

Unschuldsbeteuerungen

Den Unschuldsbeteuerungen des Angeklagten, der dem Opfer, wie er behauptete, habe helfen wollen, mochte das Gericht jedoch trotzdem nicht glauben. Die Strafkammer hielt es für erwiesen, dass der Borkener durchaus zugetreten hat - zweimal. Aber nur gegen den Oberkörper und nicht allzu fest. „Mehr“, sagte Reichhardt, „können wir nicht feststellen.“

Überraschend hatten mehrere Zeugen jedoch einen anderen Zimmersröder Kicker beschuldigt, der Stollenschuh-Treter gewesen zu sein - während ein weiterer Spieler das Opfer im Würgegriff gehalten haben. Beiden Männern steht deshalb jetzt Ungemach ins Haus. „Die Ermittlungen“, kündigte Staatsanwältin Ursula Werner an, „müssen noch einmal aufgenommen werden.“

Von Joachim F. Thornau

Quelle: HNA

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