53-Jähriger ließ erkrankten Esel über Monate hinweg unter großen Schmerzen leiden, bis das Tier qualvoll verendete

Urteil: Geldstrafe wegen Tierquälerei

Mit einer Geldstrafe von 1200 Euro und einem zweijährigen Verbot, Tiere jeder Art zu halten, endete am Donnerstag ein Prozess vor dem Treysaer Amtsgericht. Wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz wurde ein 53-jähriger Lagerhelfer aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf verurteilt.

Amtsrichter Michael Grebe befand den Mann für schuldig, über Monate hinweg das Leiden eines komplett abgemagerten und an Hufrehe, einer Entzündung der Huflederhaut, erkrankten Esels billigend in Kauf genommen zu haben. Das Tier war Ende Dezember 2009 eher zufällig verendet am Rand einer Weide in Mengsberg gefunden worden.

 Denn Tiergesundheitsaufseher des Landkreises Marburg-Biedenkopf hatten dort nach anderen Tieren schauen wollen: Neun Rinder und zwei Pferde hatte der Angeklagte ohne Wasser, ohne Futter und ohne Witterungsschutz im Schnee abgestellt.

Wie sehr der Esel geliten haben muss, machte das Gutachten deutlich, dass nach einer Sektion des toten Vierbeiners in der Tiermedizin Gießen erstellt wurde. Der 15 Jahre alte Esel war höchstgradig abgemagert. Druckstellen wiesen darauf hin, dass das Tier über längere Zeit auf dem Boden lag, weil es nicht mehr laufen konnte.

 Außerdem hatte die Hufentzündung auf die Hufknochen übergegriffen, die sich bereits teilweise aufgelöst hatten. „Das Tier musste über Monate höchstgradige Schmerzen aushalten“, fasste der als Zeuge geladene Amtstierarzt aus Marburg zusammen. Der Tiermediziner berichtete zudem, dass der Angeklagte bereits seit 1999 wegen schlechter Tierhaltung auffällig sei.

Unter anderem seien dem Mann von Amts wegen im Februar 2001 sechs stark vernachlässigte, abgemagerte Ponys weggenommen worden Die Aussage von Dr. Hans-Gerhard Heil, dem Leiter des Veterinäramtes in Homberg, der ebenfalls als Zeuge geladen war, machte zudem deutlich, dass der Angeklagte seine Tiere ständig wechselnd auf Weiden im Kreis Marburg-Biedenkopf und dem Schwalm-Eder-Kreis abstellte. Damit hatte er versucht, die Tiere dem Zugriff der Veterinäre zu entziehen. So war der Angeklagte auch mit dem Esel verfahren.

aktualisiert um 19 Uhr

Im April 2009 bereits hatte der Homberger Amtsleiter persönlich bei einer Kontrolle in Wiera mündlich angeordnet, dass das schwer kranke Tier einzuschläfern sei. „Ich war überzeugt, dass er sich kümmert“, sagte Heil, „doch dann hat er den Esel vor uns versteckt“. Der Esel verschwand so vom Hof in Wiera, wurde später auf einer Wiese in Lischeid gesehen und verendete Monate später in Mengsberg. Währenddessen gab der Angeklagte vor, das Tier befinde sich mittlerweile auf einem Gnadenhof bei Köln.

Von vermeintlicher Tierliebe berichtete hingegen als weiterer Zeuge ein Hufschmied, der dem Esel regelmäßig die entzündeten Hufe ausschnitt. Das habe dem Tier Linderung verschafft. „Dieser Esel war für den Mann Kindersatz“, sagte der Hufschmied, „er hat das Tier in den Arm genommen und geknutscht“.

Daher habe er dem Besitzer nur angedeutet, dass seinem Eindruck nach der Gesamtzustand des Esels „nicht so top“ sei. „Hungern lassen habe ich das Tier auf keinen Fall“, beteuerte der Angeklagte bis zum Prozessende, „ich konnte nicht wissen, dass das Tier so krank ist“. Das aber ließ der Amtsrichter nicht gelten: „Sie wussten, dass das Tier sich quält und leidet’“, rügte Grebe den uneinsichtigen Angeklagten – der nach eigenen Angaben nur noch Goldfische und Vögel hält.

Von Jürgen Köcher

Quelle: HNA

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