Gemäldeausstellung von Any de Grab in der Kreissparkasse

In-Formation: Künstlerin Any de Grab und KSK-Direktor Michael Sack mit einem Exponat der Ausstellung „Virale Information“ . Foto: zse

Homberg. Ihre Werke erschließen sich dem Betrachter meist erst auf den zweiten Blick. Genau das ist das Ziel der in Polen geborenen Künstlerin Any de Grab alias Anna Grabczynski.

Unter dem Titel „Virale Information“ stellt sie ihre Ölgemälde derzeit in der Kreissparkasse Homberg aus.

Schon früh fand die in Katowice und Kassel ausgebildete Diplom-Grafikdesignerin ihr bevorzugtes Ausdrucksmittel im Surrealismus. Dabei dominieren gegenständliche Elemente, die in zumeist widersinnigen Darstellungen miteinander kombiniert sind.

So versinnbildlichen sie einen neuen, ungewöhnlichen Realitätsbezug. Diese künstlerische Ausdrucksform, die mit Namen wie Dali und Miró verbunden ist, entwickelte Any de Grab zur „Viralen Information“ weiter.

Wie ein Virus strömen tagtäglich Unmengen von Informationen auf den Menschen ein: Sie verbreiten sich rasch, sind manipulierbar, können mutieren - und machen im Überfluss resistent. Dann besteht die Gefahr, dass wichtige Botschaften überhört und übersehen werden.

Ein solches Szenario hat die Künstlerin in ihrem Bilderzyklus „Press“ aufgegriffen, der die Auswirkungen gedruckter Informationen zum Thema hat. Dabei ersetzte sie menschliche Anzugträger durch Zeitungen und verarbeitete auf diese Weise Themen wie Informationsaustausch und -fülle. Der Überfluss etwa zeigt sich unter dem Titel „Schlag-Zeilen“, die bildhaft einen Kopf zum Explodieren bringen.

In einer weiteren Gemäldeserie bilden chinesische Schriftzeichen den großformatigen Hintergrund. Deren Bedeutung bezieht sich unmittelbar auf die vordergründig dargestellten Motive: Kritisch thematisiert Any de Grab dabei die „Toleranz“ der Umweltzerstörung, die verlorene „Würde“ beim millionenfach tatenlosen Blick auf die chinesischen Studentenmassaker, fehlende religiöse „Achtung“, mangelnden moralischen „Anstand“ und die Missachtung „Human“er Mitgeschöpfe.

Zum Nachdenken zwingen auch weitere gesellschaftskritische Werke, die Unverständnis und Respektlosigkeit gegenüber anderen Traditionen und Kulturen ausdrücken - bis hin zur Vernichtung.

Grundsätzlich bieten die künstlerischen Botschaften Any de Grabs viel Platz für individuelle Interpretationen: Lässt man sich darauf ein, entfaltet der Virus seine infizierende Wirkung.

• Ausstellung: „Virale Information“ in der KSK Homberg bis einschließlich 1. April. Donnerstags zwischen 16 und 18 Uhr sowie nach Vereinbarung sind Führungen und Gespräche mit der Künstlerin möglich. Kontakt: 05681/830371.

Quelle: HNA

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