Ottrau kauft ehemalige Gaststätte, um dort Flüchtlinge in Familienstrukturen unterbringen zu können

Gemeinde will Wohnraum stellen

Norbert Milz

Immichenhain. Als ersteKommune im Landkreis will die Gemeinde Ottrau vorsorglich ein leerstehendes Gebäude kaufen, um dort Flüchtlinge unterzubringen. Acht von elf Gemeindevertreter hatten sich in der Parlamentssitzung in der vergangenen Woche für diesen ungewöhnlichen Schritt entschieden (wir berichteten).

Am Mittwochabend lud Ottraus Bürgermeister Norbert Miltz die Mitglieder der Fachausschüsse zur Besichtigung des leerstehenden Gebäudes im Ortsteil Immichenhain ein. Nach den Plänen des Bürgermeisters sollen 20 Flüchtlinge in Familienstrukturen in das ehemalige Gasthaus Kelch einziehen. Dafür will die Gemeinde das Gebäude kaufen. Angedacht ist ein Kaufpreis zwischen 50 000 und 60 000 Euro.

Zur Besichtigung brachte Bürgermeister Miltz auch gleich einen Heizungsbau-Spezialisten mit, der in den nächsten Tagen dort die Heizung wieder in Betrieb nehmen soll. Bei der Begehung zeigte sich auch, dass noch viele kleinere Renovierungsarbeiten nötig sind, ehe dort Flüchtlinge untergebracht werden können. Größere Schäden wurden allerdings nicht festgestellt. Bei den Renovierungskosten hofft Miltz auf die Unterstützung des Landkreises.

Zwei große Säle

Das Gebäude verfügt über zwei Säle mit mehr als 100 Quadratmetern Fläche. In einem der Säle könnte nach Vorstellung des Bürgermeisters ein Gemeinschaftsraum entstehen, wo die Flüchtlinge zum Beispiel gemeinsam Essen könnten.

Im oberen Wohnbereich stehen sieben Zimmer bereit, die als Privaträume der Flüchtlinge genutzt werden könnten. Im nächsten Schritt will Bürgermeister Miltz möglichst schnell eine weitere Besichtigung mit Mitarbeitern des Landkreises einberaumen. Dann könne der Kaufvertrag mit dem jetzigen Eigentümer geschlossen werden. Anschließend müsste die Gemeinde dann das Gebäude an den Landkreis verpachten. Nähere Details dazu wolle Miltz in der nächsten Gemeindevertretersitzung vorstellen.

Große Herausforderung

„Wir stehen vor einer großen Herausforderung, die sich auch Ottrau stellen muss. Wir wollen darauf vorbereitet sein, wenn wir vor dem Winter angewiesen werden, Flüchtlinge in festen Unterkünften unterzubringen“, erklärte Miltz. Eine Sammelunterkunft in den größeren Sälen des Gebäudes möchte Miltz möglichst nicht. „Wir wollen den Flüchtlingen eine menschenwürdige Unterkunft bieten“, sagte der Bürgermeister.

Insgesamt verfügt das ehemalige Gasthaus über 430 Quadratmeter Fläche, davon etwa 150 Quadratmeter als Wohnraum.

Von Daniel Göbel

Quelle: HNA

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