Im Wolfhager Land gibt es nur noch vereinzelt Telefonzellen

Eine der letzten in Wolfhagen: HNA-Mitarbeiterin Michaela Pflug testet die Telefonzelle an der Schützebergerstraße. Foto:Pflug

Wolfhager Land. Kaum einer braucht sie mehr und deshalb nimmt sie auch niemand mehr richtig wahr: Telefonzellen. Ganz verschwunden sind sie aus dem Altkreis Wolfhagen aber noch nicht, allerdings muss man sie mittlerweile suchen.

Zahlen für einzelne Regionen werden von der Telekom nicht mehr herausgegeben, man weiß nur, dass es in Deutschland noch 48 000 öffentliche Telefone gibt, früher waren es dreimal so viele. Die Standorte der Fernsprecher in den Gemeinden zu ermitteln, gerät so zur Detektivarbeit. Die Verwaltungen sind nicht für den Unterhalt verantwortlich und so stößt man bei Nachfrage oft auf nachdenkliches Schweigen.

„Wir bekommen nur von der Telefongesellschaft einen Bescheid, wenn wieder eine abgebaut wird“, erklärt Ralf Hartmann, Leiter des Bauamtes Breuna. In Breuna und Umgebung gibt es schon eine Weile keine Fernsprecher mehr. In Habichtswald existiert nur noch eine Zelle, die steht in Dörnberg an der Kirche. „Früher waren es deutlich mehr“, sagt Harald Halberstadt, Mitarbeiter der Verwaltung. Verständlich findet er den Abbau durchaus, denn wirtschaftlich gesehen sind die Geräte in Zeiten des Mobiltelefon ohne Sinn.

Besser geschützt gegen Vandalismus: Telefonsäule in Naumburg. Foto: Müller

Die Bad Emstaler Verwaltungsmitarbeiterin Ellen Lebrecht berichtet nach Rücksprache mit Kollegen von drei Fernsprechern. Einen im Ortsteil Sand am Dorfplatz, einen in Merxhausen an der Fußgängerampel und einen in Balhorn an der Kirche. „Ich war überzeugt, da wäre auch noch einer am Schwimmbad, ich habe den Abbau gar nicht bemerkt. Man braucht sie heute eben auch nicht mehr“, sagt Lebrecht. In Balhorn wurde die Zelle vor einiger Zeit gegen eine Säule ersetzt. Die sei weniger vandalismusanfällig, „aber so eine Säule ist auch nicht das Gelbe vom Ei, wer will denn da im Regen schon telefonieren“, erklärt Ortsvorsteher Karl-Heinz Dorer.

In Zierenberg gibt es noch zwei Fernsprecher, einen am Bahnhof und einen am Marktplatz. In den Ortsteilen sind sie schon lange verschwunden, berichten die Ortsvorsteher. Genauso wie in den Naumburger Stadtteilen, sagt Verwaltungsmitarbeiter Thomas Fingerling. In Naumburg selbst kann man nur noch am Platz an der Sparkasse an einer Säule telefonieren.

Fast idyllisch: Die Telefonzelle an der Kirche in Dörnberg Foto: Pflug

Genauso rar sind die Fernsprecher in Wolfhagen. Schätzungsweise drei gibt es in der Kernstadt noch (an der Schützeberger Straße, an der Ludwig-Uhland-Straße und am Bahnhof). In den Ortsteilen sind die Fernsprecher längst abgebaut.

Wie lange sich die verbliebenen Apparate noch halten können, ist ungewiss – denn eigentlich verpflichtet das Telekommunikationsgesetz zu „flächendeckender Bereitstellung von öffentlichen Münz- oder Kartentelefonen entsprechend dem allgemeinen Bedarf“. Vielleicht finden sich in einigen Jahren Telefonzellen nur noch in Museen neben Postkutschen und Telegrafen als Relikte vergangener Zeiten oder werden wie in Wolfhagen zweckentfremdet, wo eine ausgeschlachtete Telefonzelle in den Bruchwiesen als Infostand der Stadt dient.

Quelle: HNA

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