Gensungerin Doris Sippel erhält Pflegemedaille des Landes

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Doris Sippel am Bett ihres Mannes Helmut, den sie seit Jahren liebevoll pflegt.

Gensungen. Doris Sippel ist immer in Bewegung. Nur kurz hält es sie auf ihrem Stuhl, dann steht sie wieder auf, tritt ans Bett ihres Mannes, spricht leise mit ihm, eilt in die Küche, um sein Medikament vorzubereiten.

"Ich habe keine Ruhe zum Sitzen", sagt die Gensungerin und lächelt. Seit Jahren pflegt sie ihren Mann Helmut, der Multiple Sklerose hat. Für ihren Einsatz erhält die 68-Jährige heute in Wiesbaden die Pflegemedaille des Landes Hessen.

Für andere da zu sein, das hat Doris Sippels Leben geprägt. "In diesem Haus wurde immer gepflegt", sagt sie. Vor 39 Jahren wurde ihr Sohn Kolja geboren der Junge war querschnittsgelähmt. "Die haben uns damals gesagt, dass er sterben wird", erinnert sich die zierliche Frau. Doch seine Mutter kümmerte sich um ihn und Kolja überlebte. Er ist heute Mitarbeiter beim Medizintechnikhersteller B.Braun, Behindertenbeauftragter der Stadt und ein bekanntes Gesicht in Felsberg.

Auch ihre Schwiegermutter, ihre Mutter und ihren Vater hat Doris Sippel gepflegt. "Ich mache das gern", sagt sie, "auch ohne Medaille." Auf keinen Fall hätte sie einen ihrer Angehörigen ins Heim geben wollen, sagt sie.

Natürlich, räumt die 68-Jährige ein, habe auch sie mal einen Tiefpunkt. Doch ihre Tochter Darja, die in der Schweiz lebt, aber viel Kontakt zur Familie in Felsberg hat, baut sie dann auf: "Mama, du schaffst das." Unterstützung bekommt Doris Sippel auch von Freunden und aus der Nachbarschaft.

Schon als junges Mädchen wollte sie Krankenschwester oder Kindergärtnerin werden, sich um andere Menschen kümmern. Schließlich entschied sich Doris Sippel doch für den Beruf der Bürokauffrau.

1994 aber absolvierte sie bei den Maltesern einen Kurs für Schwesternhelferinnen und ihr alter Berufswunsch wurde wieder wach. "Eigentlich wollte ich den Kurs nur für meine Leute machen", sagt Sippel und meint ihre Familienmitglieder, die sie damals bereits pflegte. "Aber dann hat mir das soviel Spaß gemacht." Deshalb begann sie, als Nachtschwester an der Dr.-Wittich-Klinik in Melsungen zu arbeiten bis diese 1999 zumachte.

Dass das Land Doris Sippel für ihren Einsatz auszeichnen will und sie deshalb nach Wiesbaden eingeladen hat, ist ihr fast unangenehm. "Meine Mutter ist sehr bescheiden", erklärt ihr Sohn Kolja, und seine Mutter nickt und sagt: "Meinetwegen hätten sie die Medaille in einen Briefumschlag packen können und gut." Die Einladung zum Festakt kam für sie völlig überraschend der Gensunger Ortsbeirat hatte sie ohne ihr Wissen für die Auszeichnung vorgeschlagen.

Viel wichtiger als diese Ehrung ist für Doris Sippel das Lob ihrer Familie: "Meine Tochter sagt oft: Ich bin stolz auf dich."

Quelle: HNA

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