Saurier-Fährten im Wolfhager Stadtwald gefunden

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Die neueste Entdeckung: ein Saurier-Fußabdruck der Gattung Palaechirotherium macrodactylum. Die Spur hat eine Länge von 22 Zentimetern. Danach muss das Tier eine Körperlänge von etwa drei Metern gehabt haben.

Wolfhagen. Es sind Spuren aus der Vergangenheit. Sie sind 250 Millionen Jahre alt und somit ein Stück Geschichte, das jahrelang in unterschiedlichen Schichten Buntsandstein und Schutt im Wolfhager Stadtwald verborgen lag.

Zunächst waren es Steinbrocken mit undefinierbaren Spuren. Letztendlich waren es sensationelle Funde: Im Jahr 2010 entdeckte der Wolfhager Paläontologe Dr. Reiner Kunz zusammen mit dem Kasseler Paläontologen Dr. Jürgen Fichter in einem Steinbruch in Wolfhagen eine bisher nicht bekannte Saurierspur einer neuen Gattung und Art.

Aktualisiert um 19.50 Uhr

Der Abdruck ähnelt einer menschlichen Hand. Nach umfangreicher Forschung wissen sie nun: Die Gattung Palaeochirotherium macrodactylum (altes Handtier mit der großen Zehe), wie die Wissenschaftler sie genannt haben, muss in der Trias gelebt haben. Dr. Reiner Kunz und Dr. Jürgen Fichter sind fasziniert: „Die Spuren waren erstaunlich gut erhalten. Sogar die Hautschuppen und Zehen sind erkennbar.“

Auf Spurensuche: Norbert Panek, Projektleiter des Geoparks „GrenzWelten“, und die beiden Geologen und Paläontologen Dr. Reiner Kunz und Dr. Jürgen Fichter (von links) suchen in einem Steinbruch in Wolfhagen immer wieder nach unbekannten Fährten. Foto:  Skrzyszowski

Die Fossilien unterscheiden sich in der Zehenlänge von den ersten Spuren einer neuen Gattung – der Protochirotherium wolfhagense (Urhandtier aus Wolfhagen) – die die beiden Wissenschaftler bereits im Jahr 1999 entdeckt haben. Ihre Funde wurden anschließend in deutschen und internationalen Fachzeitschriften veröffentlich und von anderen Forschern vielfach zitiert. Seitdem führen weltweit Spuren zu einem Fundort nach Wolfhagen, der nach Millionen von Jahren wieder in die Geschichte eingeht.

Heute zählt der Steinbruch mit seiner Fährten-Vielfalt – der Teil des Geoparks „GrenzWelten“ ist – zu den weltweit bedeutendsten Fährten-Fundorten der Trias. Somit ist Wolfhagen auch ein weltweiter Bezugspunkt der Wissenschaft. Spuren derselben Gattung wurden später in Marokko, Italien und Polen gefunden. Sie alle tragen die Stadt Wolfhagen in ihrem Namen: Proto chirotherium wolfhagense.

Seit 13 Jahren gehen die beiden Paläontologen mit Pickel, Hauer und Baggern in der Wolfhager Sandgrube am Stöcketeich auf Spurensuche. Sie identifizierten neben den bedeutenden Saurierfährten weitere Spuren. Darunter immer wieder Abdrücke von wirbellosen Tieren wie Würmern und Krebsen. „Unter den Steinen sind auch Wellenrippel erkennbar. Sie sind ein Indiz dafür, dass es hier damals fließendes Gewässer gegeben haben muss“, erklärt Norbert Panek, Projektleiter des Geoparks „GrenzWelten“. Einige der besten Fundstücke sind im Regionalmuseum Wolfhager Land, im Naturkundemuseum Kassel sowie im Naturparkzentrum Habichtswald ausgestellt.

Auch wenn Kunz und Fichter auf ihrer Suche schon erfolgreich waren – sie suchen weiter. Und sie sind sich sicher: Der Wolfhager Steinbruch birgt noch weitere Schätze in sich. „Wir hoffen, irgendwann Knochenteile zu finden. Das wäre dann die absolute Sensation“, schwärmt Fichter.

Von Nina Skrzyszowski

Quelle: HNA

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