Georg Bauer, Direktor des Melsunger Amtsgerichts, geht in den Ruhestand

Er wird seine Arbeit und sein Team vermissen: Georg Bauer, Direktor des Amtsgerichts Melsungen, geht in den Ruhestand. Auf dem Foto die Justizangestellten Heike Schütz (links) und Sandra Dreuw-Siebert. Foto: Brandau

Melsungen. Georg Bauer hatte nie Zweifel. Zumindest nicht an seiner Berufswahl: Der Waberner war 37 Jahre lang mit Leib und Seele Familien- und Betreuungsrichter am Melsunger Amtsgericht. Seit 1994 stand er ihm auch als Direktor vor.

Am Samstag geht er in den Ruhestand mit schwerem Herzen. Der 65-Jährige macht keinen Hehl daraus, dass ihm der Abschied von der Justiz und seinen Mitarbeitern schwerfällt.

Dabei war es alles andere als ein einfaches Amt, das Georg Bauer da über knapp vier Jahrzehnte ausfüllte: Das Amt des Familien- und Jugendrichters verlangt viele Talente, vor allem die Fähigkeit, die Übersicht zu behalten und den Kern der Dinge zu erkennen.

Bauers große Ruhe und Gelassenheit waren da hilfreich. Denn er hat viele Menschen in vielen Grenzsituationen erlebt: zerstrittene Paare, verzweifelte Eltern, aufsässige und reumütige Jugendliche.

"Als Richter fällt man nicht nur Urteile, sondern man leistet auch Reparaturarbeit", sagt Bauer. Viele Fälle des Familiengerichts seien von der juristischen Seite her gesehen zwar simpel, von der sozialen Komponente dagegen hochkompliziert.

Bauer berichtet von Scheidungspaaren, die nicht mehr miteinander reden, die sich nicht einmal mehr grüßen. Von Kindern, die unter dieser Lieblosigkeit derart leiden, dass sie nicht selten den Halt verlieren. Das meint er mit den Situationen, in denen er diese Reparaturarbeit leistete: "Ich wollte den Menschen nicht nur ein Urteil präsentieren. Ich wollte ihnen vielmehr mit auf den Weg geben, dass sie auch das Gute sehen sollen, das sie miteinander geteilt haben. Dass sie sich einmal geliebt haben und dass das Respekt und Anerkennung statt Hass und Sprachlosigkeit verdient."

Diese Sprachlosigkeit sei es, die Kinder auf Abwege bringe, ist er sich sicher. "Die Hemmschwelle, gewalttätig zu werden, ist für viele junge Leute stark gesunken", sagt der 65-Jährige.

Nicht alle Begegnungen im Gerichtssaal ließen ihn ungerührt. So manchen Fall habe er nicht nur tagsüber am Schreibtisch im Büro, sondern auch abends zu Hause im Kopf bearbeitet, berichtet er. Seinen bislang schwierigsten Fall aber hat er noch nicht ganz abgeschlossen: den Schritt in den Ruhestand. "Ich habe bislang kaum Gedanken auf das verschwendet, was nach dem Arbeitsleben kommt."

Er werde seinen Beruf und vor allem seine Mitarbeiter sehr vermissen, sagt Bauer, der immer gerne an die Arbeit gegangen ist. So gerne, dass er am Ende seines Berufslebens noch 40 Urlaubstage übrig hatte. Die hat er jetzt dem Land Hessen einfach geschenkt. Solche Mitarbeiter wünschen sich wohl alle Arbeitgeber.

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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